Gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft

Durch positive Selbstwirksamkeitserlebnisse werden sie zudem gestärkt, sich auch im Alltag mehr einzubringen. Falls das Spielen von Games über einen längeren Zeitraum ausschließlich aus Motiven des Eskapismus funktional missbraucht wird, wie es bei der Gaming Disorder der Fall ist, kann der digitale Raum nach unserem Verständnis kein Ibasho sein. Deshalb ist es wichtig, diese zeitliche Dimension des digitalen Ibasho konzeptionell zu verankern. Beziehungsdimension : Digitale Spiele schaffen neue Möglichkeiten, soziale Bindungen zwischen Jugendlichen aufzubauen, die in klassischen Angeboten der Jugendarbeit kaum erreicht werden. Dazu gehören junge Menschen, die sich im analogen Umfeld isoliert fühlen, keine Gleichgesinnten finden oder aufgrund von Diskriminierung marginalisiert sind (z. B. LGBTQIA+, Jugendliche mit Behinderungen oder neurodiverse Jugendliche). Gerade für sie eröffnen digitale Räume die Chance, Gemeinschaft ohne Barrieren zu erleben, indem sie Kontakte zu Peers knüpfen, unabhängig von Wohnort oder sozialem Umfeld. Avatargestützte Räume ermöglichen es zudem, sich in neuen Rollen auszuprobieren, beispielsweise mit einem anderen Geschlecht oder einer alternativen Identität (siehe Spieleratgeber-NRW). Die relative Anonymität kann Hemmschwellen für die aktive Teilnahme in Gruppen senken. Damit entsteht ein sozialer Resonanzraum, in dem Jugendliche Anerkennung erfahren, sich selbst entfalten und Zugehörigkeit entwickeln können – auch wenn sie sich sonst aus Jugendangeboten zurückziehen oder fernbleiben. Damit diese Potenziale wirksam werden können, müssen digitale Ibasho bewusst als Safe Spaces gestaltet werden. Nur wenn Schutz vor Mobbing, Cybergrooming, Hate Speech und toxischem Verhalten gewährleistet ist, können sie ihrer Funktion als niedrigschwellige Zugangs- und Entwicklungsräume gerecht werden. Es kann allerdings schwierig sein, in Online-Räumen ein ähnliches Vertrauen und eine stabile Beziehung aufzubauen, wie es bei einer face-to-face-Begegnung möglich wäre. Ein digitaler Ibasho kann somit auch als „Eisbrecher” für eine sich später vertiefende Bindung im nicht-digitalen Raum genutzt werden.

Fazit

Der digitale Ibasho stellt für uns eine reizvolle Möglichkeit dar, die Teilhabe und das Empowerment von jungen Menschen zu fördern und unsere eigenen gamespädagogischen Angebote neu zu denken. Der digitale Ibasho kann für Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen ein Spiel- und Erlebnisraum sein, den sie selbst gestalten können, der sicher und niedrigschwellig zugänglich ist und Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung bietet. In einer globalisierten Gesellschaft kann ein solcher digitaler Ibasho zudem eine gewinnbringende und innovative Form internationaler Jugendbegegnung darstellen, beispielsweise auf einem Minecraft-Server, den sich Jugendliche länderübergreifend aneignen können. Praxiserfahrungen aus Projekten mit geflüchteten Jugendlichen in Deutschland zeigen, dass ein gemeinsames Spielen auch ohne eine geteilte Sprache funktionieren kann. Zudem besteht die reizvolle Möglichkeit, spielerisch Beziehungen durch geteilte Erlebnisse oder Verbundenheit durch ein gemeinsames Hobby zu entwickeln – und im Vergleich zu Flugreisen und Unterbringung ist dies sowohl kostensparend als auch umweltschonend. Auf diese Weise könnten beide Kulturen niedrigschwellig voneinander profitieren und die Jugendarbeit spielerisch weiterentwickeln.

Abbildung 7: In dem medienpädagogischen Projekt eSports Jugendliga (ESJL) bauen Jugendlichen in Minecraft Klötzchen für Klötzchen ihr Traumhaus. Vielleicht entsteht hier bald ein Ibasho im internationalen Zusammenspiel.

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