Berufliche Orientierung und Übergänge von Schule in den Beruf – Einblicke aus Japan und Deutschland
(Annika Schäfer)
Die berufliche Orientierung im Jugendalter ist ein zentraler Bestandteil inklusiver Bildungspolitik und ein entscheidender Faktor für die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. Sie dient nicht nur der ökonomischen Integration, sondern fördert Selbstwirksamkeit, Zukunftsperspektiven und soziale Inklusion (siehe Mose-Ratermann & Busse 2024, S. 4). Inklusive Bildung muss daher sicherstellen, dass junge Menschen mit Unterstützungsbedarf Zugang zu beruflicher Orientierung und nachhaltigen Übergangsprozessen erhalten. Dabei geht es nicht allein um Praktika oder Beratung, sondern um strukturell verankerte, individuell unterstützende Maßnahmen, die Kompetenzen fördern und gesellschaftliche Barrieren abbauen.
Beobachtungen aus Japan
Im Rahmen des Regionalprogramms in Kumamoto besuchten wir die Präfekturale Habataki-Förderschule der Sekundarstufe II (Klasse 10 bis 12). Diese Schulform ist in Japan fester Bestandteil des Systems der Schools for Special Needs Education (SNE) und erlaubt eine durchgängige Förderung bis zum Schulabschluss. In Deutschland existieren Förderschulen in der Regel bis Klasse 9 oder 10; für eine weiterführende schulische Förderung junger Menschen mit Behinderung bestehen kaum systematische Angebote.
Abbildung 9: Unterricht in der Holzwerkstatt der Habataki-Förderschule in Kumamoto
Die Habataki-Förderschule weist eine enge Verzahnung zwischen allgemeiner Bildung und beruflicher Orientierung auf. Der Unterricht beinhaltet praxisnahe Lernsettings wie etwa in Werkstätten, im Gartenbau oder im schuleigenen Café. Dabei werden lebenspraktische und arbeitsweltliche Kompetenzen gleichermaßen gefördert. Bemerkenswert ist vor allem die Übergangsbegleitung: Schulleiter Herr Hiroomi Uemura legte im Rahmen des Einrichtungsbesuchs dar, dass die Absolvent*innen bis zu drei Jahre nach dem Schulabschluss weiter begleitet werden. Diese Begleitung beinhaltet beratende Gespräche, Kooperationen mit Betrieben sowie individuelle Unterstützung bei der Eingliederung ins Arbeitsleben. In speziellen Schulclubs, die
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