Gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft

Vergleich der Systeme: Unterschiedliche Ansätze, komplementäre Potenziale

Im direkten Vergleich zeigen sich komplementäre Stärken: Während Deutschland frühzeitige, praxisorientierte Einbindung von Betrieben und Übergangsangeboten bietet, setzt Japan auf institutionelle Kontinuität und langfristige Verantwortung innerhalb der Schule.

Das deutsche System ermöglicht Jugendlichen oft schon ab Klasse 8 gezielte Einblicke in verschiedene Berufsfelder, gestützt durch ein differenziertes Netz aus Schulsozialarbeit, Berufsberatung und Unterstützungsprogrammen.

In Japan hingegen erfolgt die berufliche Orientierung häufig erst im späteren Schulverlauf, dafür aber im Rahmen einer Oberstufe, die stärker individualisiert und auf lebenspraktische Kompetenzen ausgerichtet ist. Die beobachtete Nachbetreuung über mehrere Jahre ist bislang noch nicht flächendeckend, zeigt jedoch ein zukunftsweisendes Modell für inklusive Übergänge. Aus Sicht einer inklusiven Berufsbildung besteht für beide Länder gewinnbringendes Lernpotenzial: Japan könnte von der curricular verankerten Praxisorientierung Deutschlands profitieren, während das deutsche System Impulse zur schulischen Langzeitbegleitung und zur Verlängerung des schulischen Bildungsauftrags aufnehmen könnte, insbesondere für vulnerable Zielgruppen.

Fazit: Teilhabe gelingt, wenn Strukturen tragen

Die internationalen Einblicke zeigen: Gleichberechtigte Teilhabe und Empowerment junger Menschen mit Behinderung hängen entscheidend von strukturellen Bedingungen ab. Es reicht nicht aus, auf individuelle Stärken oder familiäre Unterstützung zu setzen. Verlässliche, verankerte Förderstrukturen, die junge Menschen durch Bildungs- und Übergangsphasen begleiten, sind notwendig.

Die Habataki-Förderschule in Kumamoto ist ein Beispiel dafür, wie Schule über die formale Bildung hinaus Verantwortung für Teilhabe übernehmen kann. Solche Modelle bieten Anknüpfungspunkte für Weiterentwicklungen in Deutschland, z. B. durch die Stärkung von Berufskollegs mit Inklusionsprofilen oder durch rechtlich abgesicherte Übergangsbegleitung. Empowerment entsteht dort, wo sich Jugendliche mit ihren Kompetenzen gesehen fühlen, realistische Perspektiven entwickeln können und auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft nicht allein gelassen werden.

Abbildung 10: Origami-Schirme in der Habataki-Förderschule in Kumamoto

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