und definiert sieben Säulen der Kinderrechte – vom „Recht auf sicheres Leben" bis zum „Recht auf Unterstützung gemäß individuellen Bedürfnissen". Das Free Space ist ein direktes Ergebnis dieser Investition in Kinderrechte. Es entstand als Teil des Kawasaki City Children's Dream Park, einer Einrichtung für lebenslanges Lernen, die die Ideale der Kinderrechtsverordnung in konkrete Form bringt. Die rechtliche Verankerung sorgt dafür, dass solche „sicheren und angenehmen Orte" nicht von kurzfristigen politischen Schwankungen bedroht sind. Der Gründer Hiroyuki Nishino entwickelte eine Philosophie, in der immer das Leben der Kinder im Mittelpunkt steht. Jede Entscheidung beginnt mit der Frage: Was ist das Beste für das Kind? Statt Defizite zu betonen, lautet die Botschaft: „Du bist schon genug, so wie du bist." In der Einrichtung gibt es Angebote wie eine Kinderkantine, einen Abenteuerspielplatz, Workshopräume, einen großen Garten, aber auch Orte für Brückenprogramme, um Jugendliche im Übergang ins Berufsleben zu begleiten. Gerade für Schulverweigerer ist Tamariba eine wichtige Anlaufstelle. Es gibt keine Lehrpläne oder Prüfungen, sondern Raum für eigenständiges Entdecken und Lernen.
Wie begegnet Tamariba den gesellschaftlichen Herausforderungen Bei unserem Besuch im Free Space Tamariba in Kawasaki fiel besonders die entspannte Atmosphäre auf. Kinder bewegten sich frei durch die Räume – manche lasen still für sich, andere kochten gemeinsam in der Küche, wieder andere arbeiteten im Garten oder organisierten spontane Workshops. Es herrschte kein Zwang. Die Kinder konnten selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollten, und dennoch schien jeder Zugang zu vielfältigen Themen und Aktivitäten zu finden. Tamariba bietet eine Alternative zum klassischen Schulsystem in Japan. Im Free Space Tamariba gibt es keine Anwesenheitspflicht, keine Prüfungen und keinen Leistungsdruck. Die Kinder entscheiden selbst, womit sie sich beschäftigen möchten – ob sie still für sich lesen, im Garten arbeiten, in der Küche kochen oder an Workshops teilnehmen. Für Kinder und Jugendliche, die von sozialem Rückzug (Hikikomori) betroffen oder gefährdet sind, schafft Tamariba einen niedrigschwelligen, geschützten Raum.
Abbildung 14: Vorstellung des Free Space Tamariba
Es wurde uns davon berichtet, dass es Sozialarbeiter*innen gibt die Betroffene aufsuchen. Durch den ersten Beziehungsaufbau soll so der Weg in die Einrichtung geebnet werden. Grundsätzlich soll der Ort Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich selbst zu entfalten, indem sie ihren Hobbys nachgehen können und Lernatmosphären schaffen, die zu ihnen passen. Das Ziel der Einrichtung ist es, die Besucher*innen dabei zu begleiten, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Besonders bemerkenswert ist die Kraft der Gemeinschaft um Tamariba. Die Kinderkantine, die Kindern kostenlos gesundes Essen zur Verfügung stellt, steht nicht nur Kindern offen. Jede*r, der/die einen Bedarf hat, darf dieses Angebot in Anspruch nehmen. Zudem ist das Gelände auch für Eltern zugänglich. Der Kontakt zur Nachbarschaft und zu den Eltern bietet den Vorteil, dass Kindern und Jugendlichen viel umfänglicher geholfen werden kann. Während der Coronakrise fiel es vielen verarmten Familien schwer, ihre Kinder mit ausreichend gesundem Essen zu versorgen. Tamariba stellte nicht nur Kindern, sondern auch ganzen Familien regelmäßig gesundes Essen zur Verfügung. Die Hürden für Familien, diese Hilfe anzunehmen, waren niedrig, da es auf dem Gelände der Tamariba die Kinderkantine für alle, Beratungsangebote u.v.m gab, die sich auch an die Eltern richten.
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