Gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft

Auf dem Weg zu neuen Zielgruppen: Die Idee der Freundlichen Sprache

(Robert Aehnelt)

Dieses Essay widmet sich einer scheinbar simplen Überlegung: Wie kann Sprache dabei helfen, die Zugänglichkeit von (pädagogischen) Angeboten für möglichst viele verschiedene Personengruppen zu erhöhen? Sowohl im deutschen wie auch im japanischen Diskurs gibt es dazu Ansätze, die sich in puncto Anspruch wie auch Zielgruppe voneinander unterscheiden, aber, gemeinsam gedacht, das Potential haben, neue Perspektiven zu eröffnen. Wie es gelingen könnte, die Ideen um Leichte, Einfache und Freundliche Sprache zusammenzuführen, soll Inhalt der folgenden Zeilen sein.

Die Bedeutung von Sprache im Kontext Inklusion

Die Fachstelle Inklusion vom Landesjugendring Brandenburg e. V. und der Fachverband Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit Brandenburg e. V. haben neun Wirkbereiche ausgemacht, die dabei helfen zu verstehen, an welchen Stellschrauben die Teilhabe aller Menschen erhöht werden kann. Diese neun sogenannten „Triggerpunkte“ sind: • Schutzräume • Beteiligung • Kultursensibilität • Beratung

• Diskriminierungssensibilität • räumliche Barrierefreiheit • Vielfalt • Orientierung • Sprache

Wenn an der Umsetzung von Inklusion gearbeitet wird, kann ein Blick auf solche Wirkbereiche eine wichtige Hilfe sein, ins Machen zu kommen. Dabei ist jedoch unbedingt der Stolperstein zu vermeiden, an allen Stellschrauben gleichzeitig drehen zu wollen oder das Gefühl zu bekommen, es zu müssen. Vielmehr ist es praktikabler, sich einen Überblick zu verschaffen, an was noch gedacht werden könnte und dann z. B. mit Hilfe der Indexe für Inklusion (siehe Meyer & Kieslinger, 2014) auf die Suche nach dem nächsten Schritt zu gehen – egal wie klein dieser auch erscheinen mag. Dabei ist die Erkenntnis, dass einige Schritte bereits gegangen wurden, ohne sie selbst als „inklusiv“ zu labeln, aber auch, dass einige erforderliche Schritte jetzt noch zu groß und damit aktuell nicht gangbar sind, genauso wichtig wie die konkreten Ideen, die zum Handeln motivieren. Anders als etwa bauliche Schritte zur Herstellung von räumlicher Barrierefreiheit oder die Etablierung neuer Kooperationen zur Gewährleistung von Beteiligung bietet der Wirkbereich der Sprache am ehesten Gelegenheiten, mit wenig Aufwand einen verhältnismäßig großen Effekt zu erzielen. Unter sprachlicher Niedrigschwelligkeit ist laut dem Artikel „Regeln für Leichte Sprache kurz erklärt“ von Aktion Mensch konkret zu verstehen: • gute Strukturierung von Texten mit kurzen Sätzen, • Vermeidung von schwierigen Fremdwörtern, • langsame und deutliche Aussprache,

• Abkürzungen und Fachwörter werden erklärt, • Verwendung von Bildern und Piktogrammen, • Einsatz von klarer Mimik und eindeutiger Körpersprache, • Aufmerksamkeit gegenüber verschiedenen Kommunikationssignalen.

Damit offenbaren sich automatisch auch Zielgruppen, die von einer stärkeren Sensibilität im Umgang mit Sprache – sowohl in

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