Gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft

geschriebener als auch in gesprochener Form – und ihrer Wirkung profitieren. Diese Gruppen sind vielfältiger, als man zunächst annehmen würde, auch wenn sie in Deutschland und Japan unterschiedlich wahrgenommen werden.

Abbildung 16: Einblicke in ein Projekt für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen

Die Profiteure von sprachlicher Niedrigschwelligkeit

Der Bedarf, Texte in Leichter Sprache zu gestalten, wurde erstmals in den 1970er Jahren von der Selbstvertretungsorganisation für Menschen mit Lernschwierigkeiten „People First“ in den USA formuliert (siehe Halbritter, 2019). Damit sind ursprünglich Menschen gemeint, die aufgrund von kognitiven Einschränkungen Schwierigkeiten mit dem Lesen und Erfassen von Texten haben. Im Laufe der Entwicklung und Professionalisierung von Leichter Sprache (siehe folgenden Abschnitt) haben sich weitere Zielgruppen erschlossen, die ebenfalls von Reduzierung von Komplexität in Darstellung und Formulierung profitieren. Dabei sind vor allem Menschen zu nennen, die gerade Deutsch lernen. Die Aktion Mensch hat in ihrem Artikel „Was ist Leichte Sprache? Definition und Anwendung” folgende Zielgruppen und Effekte benannt: „[…] Personen, die einen Text in schwerer Sprache nicht gut lesen und verstehen können. Dazu gehören zum Beispiel: • Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lernen haben • Menschen, die an Demenz erkrankt sind • Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist • Menschen, die aus anderen Gründen nicht gut lesen können Das Ziel: Leichte Sprache soll Informationen für diese Personen einfacher verständlich machen. Informationen sind so für alle Menschen einfach verfügbar und weniger Menschen sind auf Hilfe beim Verstehen angewiesen. Das ermöglicht eine selbstbestimmte Teilhabe in allen Lebensbereichen. Leichte Sprache und Inklusion sind also untrennbar miteinander verknüpft.“ Damit profitieren auch Personen davon, die zu Beginn nicht explizit Adressat*innen der Leichten Sprache waren, aber ebenfalls Vorteile für sich ziehen können, darunter: • Migrant*innen, Geflüchtete und Tourist*innen/Besucher*innen • Personen mit Teil-Leistungsstörungen (z.B. im Bereich Lese-Verstehen, Aphasie oder Hirnverletzungen) • hörbehinderte Personen • Kinder (insbesondere in Kita und frühe Grundschule) • Ältere Menschen • Neurodivergente Personen (z.B. mit Konzentrationsschwierigkeiten oder Autismus-AD(H)S-Spektrum)

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