Abbildung 17: Einblicke in ein Projekt für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen
Das Konzept der Freundlichen Sprache im japanischen Diskurs
Das Verlassen des europäischen Sprachraums, der vor allem von anglo-germanischen, romanischen und slawischen Sprachen geprägt ist – Sprachen mit ähnlichen Wurzeln – führt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass Konzepte wie die der Leichten Sprache in Deutschland meist auch nur dort funktionieren. Insbesondere asiatische Sprachen haben oft eine gänzlich andere Genese und andere Effekte auf Struktur wie auch auf die Einbindung in die Kultur. Japanisch nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Die japanische Sprache gehört zu den komplexesten und am schwersten zu lernenden weltweit – insbesondere für Europäer*innen (siehe U.S. Department of State). Das liegt vor allem an den folgenden Faktoren: 1. Die japanische Sprache verfügt über drei Schriftsysteme: Die Kanji sind aus dem traditionellen Chinesisch entnommen, wobei ein Zeichen meist für ein Wort steht (bspw.: 魚 = sakana = Fisch). Alle japanischen Wörter können statt in Kanji auch in Hiragana geschrieben werden – ein Silbensystem, bei dem jedes Zeichen für eine spezifische Konsonant-Vokal- Kombination steht (bspw.: さかな = sa·ka·na = Fisch). In der Praxis werden vor allem für Substantive überwiegend Kanji genutzt, da eine Schreibweise nur in Hiragana in den meisten Fällen uneindeutig wäre. Das dritte Schriftsystem, das Katakana , funktioniert äquivalent zum Hiragana, wird aber nur für Lehnwörter verwendet, also Begriffe, die nicht aus dem traditionellen Japanisch stammen (bspw. ジュース = juu·su = vom englischen juice = Saft) 2. Die Grammatik des Japanischen folgt einer für Deutsch-Muttersprachler*innen stark gewöhnungsbedürftigen Satzstruktur. Insbesondere den Einsatz von Partikeln und die Verwendung von Verben am Ende des Satzes machen das Lese- aber vor allem das Hörverstehen überaus anspruchsvoll (bspw. 私はベルりンに住んでいます。 = wa·ta·shi ·h(w)a be·ru·ri·n ni su·n·de·i·ma·s(u) = wörtlich übersetzt: ich (um den es geht) Berlin in leben = Ich wohne in Berlin.). Die Nichtverwendung von Leerzeichen, bzw. der allgemein sparsame Einsatz von Satzzeichen sowie die komplexen Wortstamm-Erweiterungen erschweren das Verstehen zusätzlich. 3. Japanisch ist eine facetten- und variantenreiche, kontextbasierte Sprache. Einzelne Sätze können oft nur inhaltlich verstanden werden, wenn der gesamte Sachverhalt und die Perspektive vorher dargestellt werden. Darüber hinaus verfügt das Japanische über zahlreiche Synonyme und Höflichkeitsvarianten – je nachdem welches Geschlecht, Alter und welcher Status die Person hat, mit der geschrieben oder gesprochen wird.
37
Made with FlippingBook - Online catalogs