Einleitung
(Jule Lilo Knop)
Teilhabe ist nicht nur ein Grundrecht, sondern auch ein entscheidender Faktor für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung. Junge Menschen, unabhängig von Beeinträchtigungen, sozialer Herkunft, nationaler oder kultureller Zugehörigkeit, Geschlecht oder sexueller Orientierung, müssen die Möglichkeit haben, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, und ihre Stimme muss gehört werden können. Die Jugendarbeit spielt dabei eine Schlüsselrolle, indem sie Räume schafft, in denen junge Menschen ihre Potenziale entfalten und ihre Rechte wahrnehmen können. Vor diesem Hintergrund fand ein zweiwöchiges Fachkräfteprogramm statt, welches Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe die Möglichkeit bot, tiefere Einblicke in die japanische Praxis zur Förderung der gleichberechtigten Teilhabe und des Empowerments junger Menschen zu gewinnen. Die japanische außerschulische Bildungsarbeit hält interessante Ansätze bereit, die für die Herausforderungen der deutschen Jugendhilfe von Bedeutung sein können.
Während des Programms hatten wir die Gelegenheit, unterschiedlichste Einrichtungen der außerschulischen Jugendbildung und Jugendarbeit zu besuchen. Zusätzlich gaben uns Fachvorträge von Expert*innen wertvolle Einblicke in die aktuelle Praxis und Herausforderungen, mit denen Japan konfrontiert ist.
Die vorliegende Dokumentation der Deutsch-Japanischen Fachkräftebegegnung beleuchtet, wie gleichberechtigte Teilhabe in den besuchten Einrichtungen verstanden und umgesetzt wird. Welche Erfahrungen haben wir im Bereich der Partizipation in Japan gesammelt und welche wertvollen Erkenntnisse können wir daraus für unsere Arbeit in Deutschland ableiten?
Um erfolgreich mit jungen Menschen arbeiten zu können, ist es wichtig, dass diese sich wohlfühlen. Diese Erkenntnis ist nicht neu - jedoch wird in Japan ein Konzept namens „Ibasho“ zugrunde gelegt, das die Bedeutung von Gemeinschaft und Zugehörigkeit besonders hervorhebt. Es zeigt, wie entscheidend es ist, sichere Räume zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen und ihre Potenziale entfalten können. Es ist ein wertvolles Leitprinzip für soziale Projekte und Initiativen, die das Ziel verfolgen, das Wohlbefinden der Menschen zu fördern und eine inklusive Gesellschaft zu schaffen. In der Dokumentation wird dieses Konzept näher betrachtet. Darüber hinaus sind wir während des Studienprogramms Projekten begegnet, die das Ziel verfolgen, der Schulabstinenz entgegenzuwirken. Die Schule nicht mehr zu besuchen, kann mit sozialer Isolation einhergehen. Hikikomori, eine Bezeichnung für Menschen, die sich für einen längeren Zeitraum aus der Gesellschaft zurückziehen und damit die gesellschaftlichen Strukturen in Japan herausfordern. Ein besseres Verständnis für die Ursachen und Auswirkungen dieses Rückzugs ist entscheidend, um wirksame Unterstützungsangebote zu entwickeln und den Betroffenen zu helfen, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Auch dieses Thema wird in der Dokumentation vertiefend behandelt.
Durch den direkten Austausch bietet der Deutsch-Japanische Fachkräfteaustausch wertvolle Einblicke in die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Länder und liefert Impulse für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit hierzulande.
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