WEBSITE_SAM focus 1_25_Wir träumen gross

Heidi Schellenberg

Zu jeder Zeit mit Gott unterwegs «Das hohe Alter ist die Hochschule des Lebens», sagt die heute 94-jährige Brasilien-Pionierin beim Besuch unseres Re- daktors in ihrem Alterszentrum mit herrlichem Ausblick über Zürich und die Alpen. Eingebettet in ihre portugiesische Ge- meinde kann die ehemalige Einsatzleistende auch heute noch ihre Lieblingssprache aus dem früheren Einsatzland prakti- zieren. Geistlich fit hält sie sich durch diverse Kontakte per Telefon sowie Brieffreundschaften – und durch das tägliche Bibellesen, auch heute noch. «Zu Beginn meiner Zeit in Brasilien hatte ich noch kein Te- lefon», erzählt Heidi Schellenberg. Heute hingegen kann ein Bild in weniger als einer Sekunde ans andere Ende der Welt versendet werden. So ändern sich die Zeiten – all diese Umbrü-

Heidi in ihrem «Zuhause» in Zürich

SAM global erweiterte Gott sei Dank seine Einsatzländer mit Brasilien, genau zur richtigen Zeit: Heidi sagte sofort freu- dig zu und war gespannt, was sie dort erwartete. Letzteres wäre zu umfassend, um auf diese Textseite zu passen. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Die Aufgaben der gelernten Krankenschwester im Einsatz an insgesamt vier verschiede- nen Orten in Brasilien waren vielseitig. Doch mehrfach muss- te Heidi im Tropenspital in Tübingen behandelt werden und war am Ende ihrer Kräfte.

che hat Heidi erlebt. Im Jahr 1960 ist sie freudig und faszi- niert im Alter von 30 Jahren nach Portugal zum Sprachstu- dium ausgereist. Das Schiff, das sie nach Angola in den Einsatz hätte bringen sollen, wurde zu spät fertig gebaut – bis dahin waren schon alle Visa annulliert. Also ging es zunächst ausserplanmässig zu- rück in die Schweiz, mit 15 Kartons voll Umzugsmaterial. Im Gebet sprach die gebore- ne Zürcherin damals: «Herr Jesus, ich kann hier in der Schweiz nicht leben.»

Zwischenzeitlich begann sie eine Arbeit un- ter Portugiesen in der Schweiz und zeitweise pflegte sie ihre Eltern. Trotz Rückschlägen ging sie stets wieder zurück in den Einsatz und nutzte ihre Zeit in der Schweiz für Besu- che in Gottesdiensten, Jugendgruppen und Gebetskreisen. Heimweh nach der Schweiz habe sie in der Ferne nie gehabt. Stattdes- sen aber hatte sie immer Brasilien vermisst, wenn sie in der Schweiz war. Besonders eindrücklich für Heidi war das Erleben der Regen- und Trockenzeiten in Brasilien – und insbesondere die gute Ge- meinschaft: «Wir sind auf der Station eine Familie gewesen. Wir haben es gut mitei- nander gehabt, wunderbar. Besonders ge-

Heidis Lieblingsbibelvers: « Was können wir jetzt noch sagen, nachdem wir uns das alles vor Augen gehalten haben? Gott ist für uns; wer kann uns da noch etwas anhaben? Er hat ja nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle hergegeben. Wird uns dann zusammen mit seinem Sohn nicht auch alles andere geschenkt werden?» Römer 8,31-32 (NGÜ)

freut habe ich mich immer, wenn Menschen zum Glauben kamen.» Im Lauf der Jahrzehnte folgte ein grosses Wachs- tum der Gemeinden in Brasilien: «Ich bin sehr dankbar, dass überall dort, wo wir angefangen haben, heute brasiliani- sche Gemeinden sind. Das war auch unser Ziel, dass über- all, wo wir die Pionierarbeit gemacht haben, heute Brasilia- ner in eigener Verantwortung weitermachen.» Heute würde die 94-Jährige «auf jeden Fall wieder in den Einsatz gehen», wenn sie nochmals jung wäre – und die fleissige Leserin des SAM focus drückt ihre grosse Freude über die Arbeit der aktuellen Expats aus, verbunden mit der Hoffnung, dass es auch in Zukunft noch genügend Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter geben wird.

Text und Foto: Tobias Göttling, Mitarbeiter Kommunikation

Heidi besucht einen Bibelschüler zu Hause – 1975

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