WEBSITE_SAM focus 1_25_Wir träumen gross

Wir träumen gross & wollen Leben verändern.

Hilfe! Meine Kinder finden mich plötzlich uncool.

Gross träumen geht einfach. Doch was ist mit der Umsetzung? Eini- ge jagen ihren Träumen ohne Rücksicht auf Verluste nach, bei ande- ren bleibt es beim Träumen. Wie gelingt es, dass Träume und Visio- nen wirklich den Bedürfnissen der Menschen entsprechen? Als Pastor liebe ich Gottes Wort, die Bibel. Mich mit Gottes Verheis- sungen regelmässig und intensiv auseinanderzusetzen, ist quasi mein Hobby. So sitze ich da und lese Sprüche 4,23: «Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.» Direkt nach dem Lesen vernehme ich in mir die Frage: «Michi, wie geht es deinem Herzen eigentlich?» Darauf schreibe ich meine Ant- wort in mein Notizbuch: «Vater im Himmel, ich fühle mich irgend- wie unzufrieden.» Für mich ist diese Erkenntnis ungewohnt, denn ei- gentlich bin ich ein Energiebündel. Ich kann immer und überall. Ich bin für alles zu begeistern und liebe es, zu leben! Was soll denn das jetzt? Ich neige sogar dazu, den Satz wieder zu streichen und über das Gefühl des Herzens einfach hinwegzugehen. Aber nein: «Mehr als al- les andere…». Also ja – ich gestehe es mir ein: «Ich bin unzufrieden, Gott». Aber wieso?

und erhalte in Gedanken eine Bibelstelle aus Zefa- nia 3,17, wo es über Gott heisst: «Von ganzem Her- zen freut er sich über dich (…) er liebt dich (…) ja er jauchzt über dich mit Jubel.» Als ich den Vers las, war es mir, als ob Gott mein Herz mit seiner Liebe erfüllt. Echte Ruhe, Geborgenheit und eine tiefe Zu- friedenheit kehren ein. Ein Momentum, das mich to- tal erfüllte. Daraus leitete ich eine neue Erkenntnis ab. Meine Kinder sind junge Erwachsene. Jetzt ist es wohl mein Job, dass ich beginne, sie so cool zu finden, wie sie mich früher als Papi cool fanden. Sogar dann, wenn sie Wege wählen, die ich nicht gehen würde.

Auch in der Entwicklungszu- sammenarbeit stellt sich im- mer wieder die Frage nach un- serer Motivation. Helfen wir, weil wir unsere Bedürfnisse stillen wollen, unseren Auf- trag oder unsere Vision unge- achtet der Umstände durchset- zen wollen – oder dienen wir, weil wir in unserer Identität gefestigt und innerlich erfüllt sind, sodass wir uns den Men-

Nach einigen Minuten der Stille und des In-mich-Gehens sehe ich mich in der Ver- gangenheit. Ich ziehe mit meinen Jungs durch den Wald, sehe «meine kleinen Kinder» mit mir Lego spielen und am Familientisch mit viel Gelächter und gu- ter Laune. Zugegeben, die Erinnerun- gen sind vermutlich schöner als der reale Moment damals – aber trotzdem scheint mir jemand in meinem Herzen etwas sa- gen zu wollen. Ein Gedanke lässt mich

«Ist doch nicht so schlimm», sagt mein Kopf, also mache ich weiter. Aber nein, wir sollen unsere Herzen bewahren .

stocken. Könnte es sein, dass…? Aber zuerst zu meinen Kindern: Sie sind fast alle Teenies, die ältesten drei sind Jungs 17, 16 und 14, die jüngsten zwei Prinzessinnen (jetzt darf ich das noch sagen) sind 12- und 11-jährig. Damit entlarve ich meine Unzufriedenheit. Ich habe keine kleinen Kinder mehr. Die Zeiten, als sie mich als Papi verehr- ten und bewunderten, sind vorbei. Jetzt bin ich nur noch Chauffeur, der Sackgeldgeber, der Alte & Mühsame mit den blöden Regeln. Ich bin nicht mehr der Papi, der alles kann. Es ist das Verlangen nach dem Gefühl, gebraucht zu werden und der Held zu sein, was in mir die Unzufriedenheit auslöst. Ich nahm alte Fotos hervor und verfiel richtig in Nostalgie. Wer füllt diese Unzufriedenheit? Was soll ich jetzt mit diesem geäusserten Her- zenswunsch machen? Sicher nicht, was ich natürlicherweise machen würde. «Ist doch nicht so schlimm», sagt mein Kopf, also mache ich weiter. Aber nein, wir sollen unsere Herzen bewahren. So bete ich

schen verschenken? Ein Diener, so mein Verständnis, setzt sich als Dienstleister hinter die Bedürfnisse des anderen. Hilfe nach unserem Schema zu geben, birgt dagegen die Gefahr, dass wir dort anpacken, wo es gar nicht erwünscht ist. Gross träumen? Unbedingt! In der Umsetzung plä- diere ich jedoch dafür, dass wir zuerst bei uns selbst beginnen und uns sowie unsere Träume reflektieren. Wieso tue ich, was ich tue? Nur so können unsere Träume auf die wahren Bedürfnisse der Menschen treffen. Allein sind wir dabei nicht, denn Leben ver- ändern: das geht nur in Gemeinschaft.

Michi Dufner, Kommunikationsleiter

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