NATIONAL GEOGRAPHIC TRAVELER

der Strafverfolgung und der Gemeinschaft zugutekommt, anschließen und Löwen und Leoparden verfolgen, die ein Halsband tragen. Eine seltene Gelegenheit, im Park ab- seits der Straßen zu fahren und Großkatzen in der Wildnis zu sehen, in einer Umgebung aus Kraterseen und ausgefallenen Kakteen, die aus marsianisch-roter Erde sprießen. Vom Dach seines Wagens mit Allrad- antrieb hält Ludwig ein Gerät zur Ortung, während wir uns durch stachelige Euphor­ bien-Bäume schlängeln, deren sich um- schlingende Stämme häufig von Leoparden als Schlafgelegenheiten genutzt werden. Im Park leben etwa 40 000 Menschen, zusätzlich zu den 90 000, die im Randgebiet wohnen. Die Zahlen steigen täglich, da Flüchtlinge hier Schutz vor den bewaffneten Auseinan- dersetzungen in der angrenzenden DRK und dem Südsudan suchen. „Die Einstellung der Kongolesen ist anders, sie essen mehr und andere Dinge“, stellt Ludwig fest. Illegales Angeln und das Wildern von Buschfleisch werden durch religiöse Glaubenssätze noch angestachelt, erklärt er und erzählt von einem Brauch, nach dem Frauen Nilpferd- fleisch essen, um fruchtbar zu werden. Doch die größten Probleme sind der Eingriff in die Ernte und Tötungen aus Rache, bei denen Kadaver mit Gift versehen werden. Da Tiere und Menschen weiterhin um Land kämpfen, gibt es keine einfache Lösung. „Manchmal möchte ich weg von diesem Planeten“, seufzt der Tierarzt. Seine Stirn ist von Jahrzehnten des Frusts zerfurcht. „Es ist so schwierig.“ Nachdem er seine Löwen gefunden hat, kann Ludwig sich zumindest für ein paar Stunden entspannen – er weiß, dass sie sich weit ge- nug von Gefahrenzonen entfernt befinden. Doch die Arbeit nimmt kein Ende. Im März 2021 wurden im südlichen Ishasha-Bereich des Parks sechs Löwen tot und verstümmelt aufgefunden. Vermutlich vergiftet. Ich be- suche den Landwirt und Kräuterkundigen Deo Karegyesa, der als Reaktion eine „Rettet unsere Löwen“-Kampagne ins Leben gerufen hat. Er arbeitet mit Reiseveranstaltern zu- sammen und lädt Touristen ein, die diversen Methoden kennenzulernen, die er entwickelt hat, um die Tierwelt fernzuhalten. Seine Er- findungen funktionieren: eine Strohhütte, in der er schläft, um Stachelschweine abzuweh-

ren; ein Baumhaus, in dem er nach Elefanten Ausschau hält; und ein tiefer Graben, der Eindringlinge daran hindert, das Gelände zu überqueren. „Ich zeige den Menschen hier, wie man mit den Tieren leben kann, ohne ihnen weh zu tun“, verkündet er und klettert die Leiter zu seinem blattreichen Aussichts- turm hinauf. „Sie halten die Tiere für Teufel, aber wir müssen ihnen beibringen, dass diese Tiere ihnen gehören.“ Den Berggorillas auf der Spur Verantwortung für die Wildtiere zu überneh- men, war auch für den Erfolg des Schutzes einer weiteren Attraktion Ugandas essen­ ziell: der Berggorillas. Dies konzentrierte sich hauptsächlich auf den Bwindi Impene- trable Forest ( impenetrable bedeutet so viel wie undurchdringlich), der sich 90 Auto- minuten südlich in einer kühlen, feuchten, hoch gelegenen Umgebung befindet – eine andere Welt, verglichen mit den trockenen, sengenden Savannen des QENP. Morgens um sechs Uhr mache ich mich mit Ranger Elisha auf den Weg, um die sanften Riesen hautnah zu erleben. Mit mir unterwegs sind Reisende aus der ganzen Welt, die professionell für ihr „Once in a life- time“-Erlebnis ausgerüstet sind: Gamaschen, Goretex-Multifunktions-Hosen, Handschuhe und Trinksysteme, wohin ich schaue. Wäh- rend wir der Einweisung der Ranger zuhören, werde ich, in Jeans, lächerlichen Wander- schuhen und mit einem kleinen Beutel, in dem meine Brotdose steckt, immer nervöser. Um die Berggorillas zu schützen, darf nur eine bestimmte Anzahl an Personen eine Gorillafamilie besuchen. Auch die Zeit, die man bei den Tieren sein darf, ist begrenzt. Wir werden in Gruppen zu je acht Besuchern aufgeteilt, zu jeden Team kommen Ranger, Fährtenleser und Träger, die Touristen durch den Dschungel helfen. „Let’s go“, ruft Elisha schließlich, und unsere Wanderung beginnt. Vor Corona kamen jährlich etwa 1,5 Millio- nen Besucher ins Land, Tourismus mit den Berggorillas ist Ugandas lukrativste Einnah- mequelle. Allerdings gehört eine ordentliche Portion Glück dazu – viele Besucher buchen zwei oder drei Wanderungen, bis sie endlich einem Tier begegnen. Denn: Die Gorillafami- lien streifen frei im dichten Wald umher.

IM UHRZEIGERSINN (V. O.): Murchison Falls, einer der

mächtigsten Wasserfälle der Welt, ergießt sich über einen Steilhang an der nördlichsten Spitze vom Großen Afrikanischen Grabenbruch. Der Landwirt Deo Karegyesa, der die „Rettet unsere Löwen“- Kampagne ins Leben gerufen hat, nutzt Chili, um Raubtiere von seiner Ernte fernzuhalten. Eine Giraffe im Murchison-Falls-Nationalpark, dem größten Schutzgebiet Ugandas.

52 NATIONAL GEOGRAPHIC TRAVELER 3/2022

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