Unsere_Alpen_online_Blick_ins_Buch

»Mein Platz des Friedens«

Felix Neureuthers Karriere als Skirennläufer hat mehr als 20 Jahre lang gedauert. Sie war gekennzeichnet durch große Erfolge, herbe Rückschläge und viele Comebacks. Jetzt will der zweifache Familienvater Verantwortung für die Berge übernehmen und die Gesellschaft für ihren Schutz sensibilisieren. Wohl auch, weil die Berge und das Bergsteigen fester Bestandteil der Familien-Tradition sind. Eine Annäherung.

Wenn man so will, dann hat Miriam Neureuther ihren Mann Felix eingenordet. Oder, anders ausge- drückt: Sie hat der zuvor zwischen den Magnet- feldern seines jungen Lebens wild ausschlagenden Kompassnadel eine Richtung gegeben. Miriam lebt Nachhaltigkeit, so gut es als Mutter zweier Kinder eben möglich ist. Sie verzichtet auf Plastik, meidet generell Verpackungen, kauft Bio-Produk- te und steigt nicht gerne ins Auto. Schaut, dass sie unnötige Fahrten vermeidet. Dass sie ihren öko- logischen Fußabdruck gegenüber früher kleiner macht. Und ihren Kindern und der gesamten Fami- lie ein Vorbild ist. Akrobat im Skizirkus Felix denkt Nachhaltigkeit jetzt immer öfter. Weil er seit Langem fühlt, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann. Immer öfter handelt er auch danach und lässt sich, gerade von Miriam, dabei leiten. Beide kommen aus dem Leistungs- sport, einem, der landläufig oft »alpiner Skizirkus« genannt wird. Zirkus trifft die Sache ganz gut, denn der Rennbetrieb ist eine über die Kontinente wandernde Manege mit vielen klar verteilten Rol- len doch nur wenigen, die im Rampenlicht stehen. Das wechselt für gewöhnlich Jahr für Jahr, manche

Artisten halten sich über eine gewisse Zeit, bis sie irgendwann so oft vom Hochseil heruntergefallen sind, dass es einfach nicht mehr geht. Felix hielt sich lange in diesem Zirkus, bisweilen hieß es, dass er seine Kunststücke nicht mehr in höchster Quali- tät vollbringen können würde. Doch er zeigte sie wieder und wieder, manchmal mit zusammenge- bissenen Zähnen, wenn er wieder einmal eine Ver- letzung hatte, die noch nicht ausgeheilt war. Zum Beispiel nach einem Autounfall im Februar 2014, der bei der Fahrt zum Flughafen München passier- te und bei dem er sich ein Schleudertrauma zu- zog, die Bänder im Nacken zerrte und zwei Rippen prellte. Er flog trotzdem zur Winter-Olympiade nach Sotschi, flachste über sein Missgeschick, trai- nierte mit Halskrause, startete im Slalom (ausge- schieden) und wurde 8. im Riesenslalom. Ein Kraft- akt, aber auch ein Kunststück. Brutaler Betrieb Eines war der Ski-Zirkus nie: nachhaltig. Heute in Val d’Isere, morgen in Sotschi, zwei Tage später in Furano (Japan). Von den Sommer-Trainings- lagern in den Anden und an den hohen Gletschern der Alpen in Zermatt oder Saas-Fee gar nicht zu sprechen. Ein Tross, der ständig um die Welt zieht,

12

UNSERE ALPEN

Made with FlippingBook flipbook maker