Länge vergleichsweise kurz. Als älteste noch erhaltene Seebrücke Deutschlands hält sie dafür aber einen anderen Rekord. Die Bühne gibt es längst nicht mehr, dafür aber das Restaurant – hier speiste einst sogar der Kaiser. Im Sommer sitzt man am schönsten draußen. Bei Bier oder Kaf- fee kann man nicht nur das Treiben am Strand beobachten, sondern auch zur See- brücke im benachbarten Heringsdorf hin- überschauen. Müthers Spitzdach In Heringsdorf ist man vor allem auf die Länge der Brücke stolz. Mit 508 Metern ist sie die drittlängste Deutschlands. Aller- dings schummelten die Heringsdorfer ein wenig: Sie zählen nicht nur die Strecke über dem Wasser, sondern auch die an Land anschließende Ladenzeile dazu. Die heutige Brücke ist der Nachfolgebau einer Holzkonstruktion von 1839. Die sah mit ihren filigranen Türmchen und spitzen Dächern ein bisschen wie ein verwun- schenes Zauberschlösschen aus. Doch schon damals ging es ums Geschäft und deswegen wohnte keine Prinzessin darin, sondern wie heute gab es dort Restau- rants und Souvenirläden. Die Seebrücke war aber auch wichtig, damit Herings- dorfs prominente Gäste trockenen Fußes an Land steigen konnten. Damals reisten die Adeligen, Reichen und Berühmten
D ie fünf Seebrücken auf Use- dom ziehen heute vor allem Touristen an. Ursprünglich baute man sie jedoch nicht als Attrak- tionen, sondern damit prominente Gäste trockenen Fußes ihre Villen und Hotels erreichten. Die Seebrücke von Ahlbeck ist das wohl meist fotografierte Bauwerk von Use- dom. Die vier Türmchen, die es so foto- gen machen, kamen allerdings erst 1930 hinzu. Spätestens seit Vicco von Bülow, alias „Loriot“, 1991 hier einige Szenen für seinen Film „Pappa ante Portas“ drehte, ist die Seebrücke Kult. Für den Film strich man das damals braune Bauwerk weiß. Das hatte Loriot ausdrücklich gewünscht, denn die Brücke sollte genauso aussehen wie er es aus seiner Kindheit kannte. Bereits 1892 erbauten die Ahlbecker über ihrem Strand eine Plattform mit Restau- rant und offener Bühne. Sechs Jahre spä- ter fügten sie dann einen 170 Meter langen Steg ins Meer hinein an, an dem Schiffe anlegen konnten. Bald kam ein weiterer Steg Richtung Land hinzu. Insgesamt ist die Ahlbecker Brücke mit 280 Metern
Selbst abseits der Haupt- reisezeiten ist die Seebrücke von Ahlbeck ein beliebtes Ziel.
Die Seebrücke von Heringsdorf
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oft mit dem Schiff an und fanden es nicht standesgemäß, wenn sie zum Landgang in ein wackeliges Ruderboot umsteigen mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke kaum noch genutzt und ver- fiel zusehends. Im Juni 1958 zerstörte ein Feuer den inzwischen maroden Seesteg. Zwei Jugendliche wurden als Brandstifter verurteilt. Wer heute von der Brücke aufs Wasser blickt, sieht etwa 50 Meter ent- fernt die Überreste der alten Konstruk- tion: eine Reihe verwitterter Holzpfosten, die aus dem Wasser ragen. Die heutige Seebrücke Heringsdorf mit dem charakteristischen Spitzdach ent- stand in den Jahren 1994 und 1995 nach Plänen von Lothar Kallmeyer und Ulrich Müther. Müther, weltbekannt für seine Schalenbauwerke, zählt zu den bedeu- tendsten Architekten der DDR. In Heringsdorf entwarf er den Kunstpavil- lon an der Strandpromenade, in Rostock das Restaurant „Teepott“ und in Binz auf Rügen die Wasserrettungsstation. Berli-
ner kennen sein Zeiss-Großplanetarium, und auch das Planetarium in Wolfsburg stammt aus seiner Feder. Letzteres war Teil eines Kompensationsgeschäfts: Der Westen erhielt das Bauwerk, der Osten im Gegenzug 10.000 Volkswagen Golf. Einfach geradeaus
Im Gegensatz zu Ihren beiden Kollegin- nen weiter im Osten wirkt die Seebrücke
Blick auf die Seebrücke von Bansin
Abendstimmung in Heringsdorf mit Blck auf die Seebrücke
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