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FREITAG, 26.7.2019 98.Jahrgang | Nr.30

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Kulturtreppe: Vielfältiger Rhythmus Brasiliens im Hof des Spielzeugmuseums SEITE 2

«Stimmen»: Zwei junge Sängerinnen mit unterschiedlichen Stilen

Winzertradition: Weingut Riehen als Gast bei der Fête des Vignerons SEITE 5

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FONDATION BEYELER Spuren, Erinnerungen und die Suche nach der verlorenen Zeit Verloren und geborgen in der Zeit

zähligen Schichten gemalt wurde, be- reits für den Künstler, der sehr viel Zeit damit verbracht hat, zum Erleb- nis wurde, erklärt Keller. Auch weist er darauf hin, dass man am Einfall des Sonnenlichts auf die Fassade der Ka- thedrale von Rouen die Tageszeit ab­ lesen kann. Die Wichtigkeit derselben lässt sich an der ganzen Serie Monets ablesen, die das Kirchenportal in ver- schiedensten Lichtstimmungen zeigt. Die Fülle an Erkenntnissen und Denkanstössen, die sich beim Rund- gang mit dem Kurator bereits im ers- ten Saal einstellten, setzen sich im Laufe der Besichtigung fort. Etwa wenn ein Calder-Mobile wie ein in Bewegung gesetzter Scherenschnitt von Matisse wirkt, gegenüber einem Gemälde von Mondrian aber an ein Zitat erinnert, das dieser auf Calders Bemerkung, es sei schade, dass seine Bilder nicht in Bewegung seien, äus­ serte: «Meine Bilder sind schon schnell genug.» Vergängliches Leben, beständige Kunst? In Max Ernsts «Naissance d’une galaxie» zeigt sich dessen Interesse fürs Kosmische, ebenso in «Fleurs de neige», wo sich nicht nur Planeten, sondern auch Blumen finden – Stich- wort Vergänglichkeit – und dazu Spachtelspuren der Entstehung des Werks. Vergänglichkeit tritt einem auch beim neuen und erstmals aus­ gestellten Sammlungswerk «Untitled 2017 (no water no fire) (la timidité)» von Rirkrit Tiravanija vor Augen, bei den Wolkenbildern von Tacita Dean und Gerhard Richter, dem ein eigener Saal gewidmet ist, und bei Roy Lich- tensteins «Girl with Tear III», das den Museumsdirektor stets an das Zitat «Vita brevis, ars longa» erinnert. Im Hintergrund die zur antiken Kunst gehörende Säule, die Frau, die auch bereits zu einem Kunstwerk erstarrt sei und im Gegensatz dazu die Träne, die für die Jetztzeit stehe. «I’ve seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain.» Das vollständige Blade-Runner-Zitat allein an einer Museumswand darf in der Ausstellung natürlich nicht fehlen. Durch den glitzernden Vor- hang von Felix Gonzalez-Torres ver- lässt man sie und sucht die Spuren der Zeit nun auch ausserhalb derselben.

Die von Sam Keller kuratierte Sammlungsausstellung «Lost in Time like Tears in Rain» denkt über Zeit und Kunst nach und offenbart verblüffende Parallelen. «Lost in Time like Tears in Rain» – der poetische Titel der neuen Samm- lungsausstellung in der Fondation Beyeler animiert sofort dazu, die Gedanken schweifen zu lassen. Hat man einmal das Bild der Tränen, die vom Regen unsichtbar gemacht wer- den, kommt bald die Frage nach der eigenen Verlorenheit in der Zeit. Wer den Science-Fiction-Film «Blade Run- ner» kennt, erinnert sich ausserdem vielleicht daran, dass dies die letzten Worte des sogenannten Replikanten Roy waren. «Ich bin ein Filmliebhaber und habe, wie die meisten meiner Genera- tion, ‹Blade Runner› gesehen. Ausser- dem bin ich ein Zitatesammler», erklärt Sam Keller, Direktor der Fon- dation Beyeler und Kurator der aktu- ellen Sammlungsausstellung. Drei- mal jährlich wird diese neu konzipiert und meist gebe es einen Anknüp- fungspunkt zur aktuellen Sonderaus- stellung. In Rudolf Stingels Werk sei ihm das Element der Zeitlichkeit auf- gefallen, sagt der Kurator und spricht die Kunstwerke aus Teppichen oder mit Alufolie verkleidetemStyropor an, die von den Museumsbesucherinnen und -besuchern verändert werden dürfen und sollen. Oder die Arbeit mit Erinnerungen: «Er malt einen Berg und als Vorlage benützt er ein altes Foto seines Vaters, der Hobbybergstei- ger war.» Auch die sichtbaren Spuren der Zeit – Kratzer und Staub auf der Oberfläche des historischen Fotos – übernehme Stingel für sein Gemälde. Auch in Louise Bourgeois’ «Insom- nia Drawings» sind Keller immer wie- der Uhren aufgefallen, und so habe sich die Fragestellung ergeben: Wo in der Sammlung sind Spuren von Zeit- lichkeit zu finden, wo ist die Zeit und Erinnerung ablesbar? Hier könne man den Geist frei machen, sagt der Museumsdirektor beim Betreten des ersten Raums und Michèle Faller Erinnerungen und Gebrauchsspuren

Installationsansicht der Ausstellung «Lost in Time like Tears in Rain».

Foto: Mark Niedermann

zeigt mit einer grosszügigen Geste auf Barnett Newmans «Uriel» neben Monets Kathedrale von Rouen und Cézannes Badenden. Dann bleibt er lächelnd vor Giacomettis schreiten- demMann imRegen stehen. Den sehe man viel seltener als der grössere, der auf der 100er-Note abgebildet ist. Der Mann gehe nicht irgendwohin, sondern stehe für die Menschheit an sich, stellt Keller fest. Dann geht er zu einem mit einer Art Housse ver- hüllten Bild, lüftet diese und legt das älteste Werk der Sammlung, Georges Seurats «L’Homme couché», frei, das erstaunlicherweise ebenfalls eine Studie für ein Bild von Badenden ist. Der Blick des liegenden Mannes scheint fast ins Unendliche zu gehen. Dass die lichtempfindliche Zeich- nung von einer Museumsaufsicht enthüllt werden muss, ergebe eine sehr passende zeitliche Verzögerung, schmunzelt der Kurator. Das Stillleben – hier das von Paul Cézanne mit dem Steinkrug – stehe generell für Vergänglichkeit, während Newmans geradezu zur Meditation einladendes Werk «Uriel», das in un-

Paul Cézanne, «Pichet de grès», 1893–1894. Öl auf Leinwand, 38.2 x 46.0 cm x 1.5 cm tief. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler. Foto: zVg

Reklameteil

Geniessen und Entdecken zum Zehnten mf. Zum zehntenMal steigt amSams- tag, 10. August, von 10 bis 22 Uhr in der Fondation Beyeler das Sommer- fest, bei dem man Kunst und den Berower Park geniessen sowie in Workshops Neues entdecken kann. Aus Anlass des Jubiläums schenkt die Basler Kantonalbank allen Besu- chenden den Museumseintritt. ein Karussell wird sicherlich viele Kinder erfreuen und mit dem Muse- umsspiel kann man sich auf die Spuren Rudolf Stingels begeben, von dessen Arbeiten auch die Workshops für Kinder und Erwachsene inspiriert sind.

Caramelköpfli vom Grill das verrückteste Dessert für den 1. August!

FONDATION BEYELER 26. 5. –6. 10. 2019

Das Sommerfest der Fondation Beyeler dehnt sich dieses Jahr bis in den Kunst Raum Riehen, ins Spiel- zeugmuseum und in den nahe gele- genen Iselin-Weber-Park aus. Abends wird unter freiem Himmel zur Live- musik der Band «2raumwohnung» aus Berlin getanzt. Inga Humpe und Tommi Eckart werden ab 19 Uhr auf der Bühne über dem Seerosenteich die sommerliche Stimmung noch zu- sätzlich anheizen. Tagsüber legt DJ Prinzessin in Not im Pavillon ihre Scheiben auf.

Tagsüber werden im Museum Kurzführungen zu den aktuellen Ausstellungen «Rudolf Stingel», «Louise Bourgeois – Insomnia Dra- wings» und der Sammlungspräsen- tation «Lost in Time Like Tears in Rain» geboten; wer selbst aktiv wer- den will, kann sich im Open Studio und den verschiedenen Workshops kreativ und spielerisch austoben. Ausserdem lädt das Art Lab junge Kunstinteressierte zum Gespräch ein,

Telefon 061 643 07 77

Roy Lichtenstein, «Girl with Tear III», 1977. Öl und Magna auf Leinwand, 117 x 101,5 cm. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler. © Estate of Roy Lichtenstein / 2019, ProLitteris, Zurich. Foto: Robert Bayer

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