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ST. FRANZISKUS Designierter Pfarrer zieht seine Kandidatur zurück Pfarrwahl erhitzt die Gemüter

MEINUNG Sorge um Seele

Der neue Pfar- rer schien zum Greifen nah und nun ist er wieder weg. Das ist traurig für die Gemeinde, aber nichts im

Stefan Küng tritt nicht zur Pfarrwahl der Riehener Franziskuskirche an. Vor dem  Rückzug der Kandidatur fand ein emotionaler Informationsanlass statt. Stefan Küng, der am 10. Februar auf Antrag der Pfarrwahlkommission der Riehener Pfarrei St. Franziskus als Pfarrer hätte gewählt werden sollen, hat seine Kandidatur zurückgezogen, wie Kommissionspräsident Stefan Suter am Dienstag in einem Commu- niqué mitteilte. Der Rückzug sei be- dauerlich, da Küng als Seelsorger ausserordentlich beliebt gewesen sei. «Die psychische Belastung hat in­ dessen ein Ausmass angenommen, welches ohne Inkaufnahme einer gesundheitlichen Schädigung nicht mehr verkraftbar ist», heisst es in der  Medienmitteilung. Weiter hält Suter darin fest, dass mehrere Gut­ achten bestätigten, bei Küng sei vor zehn Jahren keine sexuelle Motiva­ tion  im Spiel gewesen und auch ins- künftig bestehe keine Gefahr für Übergriffe. Die Medienmitteilung nimmt mit «vor zehn Jahren» Bezug darauf, dass Küng 2012, als er Pfarrer im Kanton Thurgauwar, wegen «sexuellenHand- lungen mit einem Kind», zu einer be- dingten Geldstrafe verurteilt wurde, wie bereits vergangenen Herbst in verschiedenen Medienberichten zu lesen war. Konkret war stets von einer Fussmassage die Rede – bis vor drei Tagen. Von der Pfarrwahlkommission St. Franziskus wurde Küng, der seit 2015 liturgische Aufgaben in der Kir- che übernommen hatte, im August 2017 als Pfarrer für die Amtszeit 2019– 2023 vorgeschlagen; Bischof Felix Gmür stimmte dem Antrag im Juli 2018 zu. Da mindestens 100 Stimm­ berechtigte der Pfarrgemeinde mit ihren Unterschriften letzten Herbst eine Urnenwahl verlangten, sollte die Wahl des Pfarrers nicht wie üblich in stiller Wahl erfolgen. Das ist nun hinfällig. Am Dienstag wurde publik, dass in Küngs Straf­ befehl abgesehen von einer Fussmas- sage auch von einer Massage des Oberkörpers und von einem «kurzen Kuss» auf den Nacken die Rede sein soll, wie der BZ Basel vom 15. Januar zu entnehmen ist. Gleichentags teilte Küng mit, nicht mehr zur Wahl an­ zutreten. Michèle Faller

Jetzt frische Maultaschen backofenfertig oder natur mit gluschtigen Rezepten Vergleich zur menschlichen Tragödie, die der Verlauf der Geschichte für Stefan Küng bedeuten dürfte. Natürlich hätte er dem Wunsch der Pfarrwahl- kommission nicht entsprechen und sich gar nicht erst bewerben können. Oder seine Kandidatur zurückziehen, als Unterschriften für eine Urnen- wahl gesammelt wurden. Oder am Infoabend über den gesamten Inhalt des Strafbefehls berichten. Schlimmer als jetzt hätte es kaum kommen kön- nen, denn nun stehen auch die bisher verschwiegenen Details des Falls in den Zeitungen. «Selber schuld!», möchte man den Gemeindemitgliedern entgegenrufen. Natürlich gilt das nicht für alle, aber sicher für die Pfarrwahlkommission, die in diesem Trauerstück eine sehr problematische Rolle spielt. Für diese Einsicht reichte übrigens der Besuch des Infoabends von letzter Woche. Einige gaben sich dort als Unterstüt- zer Küngs, in Wahrheit erwiesen sie ihm aber einen Bärendienst. In der Meinung, seinen Schützling zu ent- lasten, wurde Pfarrwahlkommissi- onspräsident Stefan Suter nicht mü- de, Küngs Übergriff ins Lächerliche zu ziehen und damit Übergriffe gene- rell zu verharmlosen. Auch die Auftritte Kemmlers und Bachmanns waren gut gemeint, doch hätte Küng bestens auf sie verzichten können. Als einziger ging er kritisch mit dem eigenen Verhalten um und gestand einen Fehler ein. Im Gegen- satz zu jenen, die fanden, man habe jetzt genug «darüber» geredet. Schwierig auszuhalten waren auch die Aggressivität, mit der alle auch nur ansatzweise kritischen Stimmen abgewürgt wurden, und das Ausbu- hen eines Suter-Kritikers. Unerträg- lich aber war, von anonymen Droh- briefen an Leute zu erfahren, die nicht vorbehaltlos zum designierten Pfarrer standen. Hier scheint ein Seelsorger tatsächlich bitter nötig. Wenn man den guten Pfarrer möchte, muss man Sorge zu ihm tragen und darf ihn nicht verheizen. Man darf nicht die Augen verschliessen und meinen, es komme schon nichts aus, sondern man muss kommunizieren, und zwar alles und von Anfang an.  Michèle Faller

Die Riehener Pfarrei St. Franziskus muss sich weiterhin nach einem neuen Pfarrer umsehen.

Foto: Michèle Faller

gross. Sie hat braune Augen und trug zum Zeitpunkt ihres Verschwindens ihre braunen Haare schulterlang. Sera Müzeyyen Caroline Ardic spricht Schweizerdeutsch. Sie verliess ihren Wohnort in unbekannte Richtung. Seit ihrem Verschwinden und bis zumheutigen Tag seien keine verwert- baren Hinweise zum Aufenthaltsort der Vermissten eingegangen, teilt die Kantonspolizei mit. Eine Vermisst- meldung am 23. November 2017 sei erfolglos geblieben. Personen, die Angaben über den Aufenthaltsort und Verbleib der Ver- missten machen können, werden ge- beten, sich mit der Kantonspolizei Basel-Stadt in Verbindung zu setzen (Tel. 061 267 71 11). Ein grosser Teil der Inputs des In- foanlasses widmete sich anderen As- pekten. Kommissionspräsident Ste- fan Suter, Pfarrer Stefan Kemmler, Leiter des Pastoralraums der Rö- misch-Katholischen Kirche Basel- Stadt, und Daniel Bachmann, Pfarrer im thurgauischen Aadorf, berichteten vornehmlich von der Wählbarkeit Küngs im kirchenrechtlichen Sinn und von dessen Qualitäten als Pries- ter, Seelsorger und Mensch. «Was will man mehr, meine Damen und Her- ren?», fragte Suter. Er fuhr fort, die von den Befürwortern der Urnenwahl of- fenbar geforderte Transparenz sei fehl am Platz, da personalrechtliche The- Frage nach dem Strafbefehl Am Donnerstag vor einer Woche sah es noch anders aus. Stefan Küng hatte im Vorfeld der Urnenwahl zu ei- nem Informationsabend geladen, «um die Hintergründe der Geschichte zu erhellen», wie er im vollen Saal des Pfarreiheims sagte. Die Frage aus dem Publikum nach dem Wortlaut des Strafbefehls – da nicht klar sei, wie man von einer Fussmassage auf eine sexuelle Handlung komme – wollten weder er noch der Präsident der Pfarr- wahlkommission beantworten. Letz- terer sagte lediglich, die Fussmassage werde im Strafbefehl sexualisiert be- schrieben.

men nicht für die Öffentlichkeit be- stimmt seien. Als die Kommission den Kandidaten Küng eingeladen habe, habe dieser den Vorfall im Kanton Thurgau nicht verschwiegen. «Es han- delt sich um die berühmte Fussmas- sage an einer einzigen Person», sagte Suter und erwähnte einen Massage- kurs, den Küng kurz zuvor absolviert habe. «Das war nicht so schlau, aber aus meiner Sicht nicht schlimm oder strafbar», fuhr der Jurist fort und meinte, er hätte sich gerne die Füsse massieren lassen. Weiter wurde über Küngs Untersu- chungshaft und das Urteil der beding- ten Geldstrafe informiert sowie über die Ergebnisse der psychologischen Abklärungen im Auftrag des Bischofs: Sexuelle Beweggründe seien keine vorgelegen. «Fehleinschätzung von Nähe und Distanz» Stefan Küng selber sagte, er verste- he, wenn Pfarreiangehörige besorgt seien, und betonte, dass pädophil mo- tivierte Handlungen sowie Missbräu- che vonKindernundErwachsenen für ihn ein «No-go» seien. Sein Fall sei mit dem Strafbefehl abgeschlossen wor- den, es habe kein Gerichtsverfahren gegeben und er habe nicht mehr die Kraft gehabt, die Sache anzufechten.

«Es war keine sexuelle Handlung mit einem Kind», rief er darauf aus, «es war eine Fehleinschätzung von Nähe und Distanz.» Es sei dumm und un- überlegt gewesen. «Diese Lektion ha- be ich gelernt und ich habe einen ho- hen Preis dafür gezahlt.» Viele Anwesende sprachen Stefan Küng ihr Vertrauen aus, doch vermisst wurde auch eine früher wahrgenom- mene Aufklärungspflicht. Küng gab offen zu, auf die Frage, warum die Ge- meindemitglieder nicht früher infor- miert wurden, keine Antwort zu wis- sen. «Vielleicht war die Idee, sie sollten mich zuerst als Mensch kennenler- nen.» Er habe kein Geheimnis aus sei- ner Vergangenheit gemacht, doch Gremien müssten eine gewisse Dis- kretion wahren. Jemand hielt fest, dass es hier um zwei Themen gehe: Stefan Küng als Pfarrer und Seelsorger, den er wert- schätze, und die Opfer, von denen es in der katholischen Kirche viele gebe. «Das ist ein sensibles Thema und es stört mich, dass es nicht ernst genom- men wird.» Als jemand von einer Spal- tung der Kirchgemeinde sprach, sagte Küng, eine gewisseUnbarmherzigkeit habe er auch bemerkt. «Wie die Grup- pierungen aufeinander reagieren, das kam nicht durch die Frage ‹Küng – ja oder nein› hierher.»

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Riehenerin wird immer noch vermisst

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Foto: Kantonspolizei Basel-Stadt

rz. Vermisst wird seit dem 29. März 2017 ab ihrem ehemaligen Wohnort amHirtenweg 10 in Riehen die 26-jäh- rige Sera Müzeyyen Caroline Ardic. Die Vermisste ist circa 165 Zentimeter

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