Bibo-KW7_2021

ETT INGEN

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18. FEBRUAR 2021 | NR. 7

Unsere digitale Welt benötigt (mehr denn je) analoge Inseln Die aktuelle Situation, die seit einem Jahr dauert und deren Ende nicht ab- sehbar ist, erfordert von uns allen viele Einschränkungen. Und dennoch müssen wir zuversichtlich sein und unsere Lebensfreude behalten. Dazu gehören auch sportliche Aktivitäten in der Natur.

Vor zwei Wochen berichtete BiBo in sei- nem Frontartikel, dass Fachleute (Sozio- logen, Psychologen, Therapeuten) Alarm geschlagen haben, weil gerade Kinder und Jugendliche an Bewegungsarmut lei- den. Auch in dieser Ausgabe hat unsere Mitarbeiterin Larissa Bucher in ihrer Frontchronik, und im redaktionellen Teil von Bottmingen (Seite 3) eindrücklich auf- gezeigt, welche Folgen der Lockdown hat. Im folgenden Gespräch erklärt Remo Brodmann, warum Ettingen sich glück- lich schätzen darf, wenn es im Frühling 2022 eine Pumptrackanlage (siehe auch separater Kastenartikel) benötigt. BiBo: Dürfen wir ein paar Eckdaten zu Ihrer Person und den beruflichen Werdegang erfahren?

Warum braucht Ettingen eine Pump- trackanlage? Ist das Bedürfnis hier- für gegeben? Und gibt es einen «ty- pischen Pumptrack-Benutzer»? Damit alle Bewegungsbegeisterten, vor allemKinder und Jugendliche, eine weitere tolle Möglichkeit für ihre Freizeitbeschäfti- gung erhalten. Ettingen bietet nebst den zahlreichen Sportvereinen im Dorf und unserer wunderschönen Natur nicht viel Infrastruktur (Beachvolleyballfeld, Garten- bad, Hallenbad, Skateranlage, Tennisplatz, Robinsonspielplatz) für Sport und Freizeit. Deshalb ist das Bedürfnis gross für eine solche Anlage, welche ja auch ein Beach- volleyballfeld vorsieht. Wir haben dem Ge- meinderat, aufgrund der Anregungen der Anwohner, den Vorschlag unterbreitet, die Pumptrackanlage zugunsten eines zwei- ten Beachvolleyballfeldes zu reduzieren. So erhalten die Bewohnerinnen und Be- wohner sowie die Sportvereine von Ettin- gen mehr Nutzen. In diesem Vorschlag ist auch das Pflanzen von vier Bäumen, wel- ches eine weitere Aufwertung des Schnit- zelplatzes bringt, vorgesehen. Ja, der typi- sche Pumptrack-Benutzer ist zwischen 2 und 90 Jahren jung/alt, hat Freude an der Bewegung und dem spielerischen Erlernen von neuen sportlichen Aktivitäten. Des- halb ist auch das Bedürfnis hierfür gege- ben, denn in unserer digitalenWelt benöti- gen wir solche analogen Inseln. Dies zei- gen die bestehenden Pumptrackanlagen in der ganzen Schweiz, welche von Jung bis Alt rege genutzt werden. Was entgegnen Sie Kritikern bezüg- lich Lärmemissionen, Kosten und Verkehrsaufkommen. Und in Corona- Zeiten dürften «Ansammlungen» auch kontrovers diskutiert werden…

Auf unserer Homepage www.pro-pump- track-ettingen.ch haben wir ein paar kurze Filme von den umliegenden Pump- tracks inArlesheim, Gempen und Muttenz aufgeschaltet. Ausser den Gesprächen und Lachen der Benutzer (vor allem Kin- der) hört man nur dieAbrollgeräusche der Pneus oder Rollen (Trottis, Inlineskates und Skateboards). Ja, man wird dort si- cherlich auch Personen antreffen, welche sich nicht im Pumptrackfahren üben, son- dern den Benutzerinnen und Benutzern zuschauen werden. Dies ist willkommen und gehört zu einer Sportanlage, wie bis- her auch schon. Jedoch gelten Benut- zungsregeln (Hinterlasse keinen Müll oder Zerstörung, Musikboxen, Alkohol und Rauchen ist nicht erlaubt), welche wir als Trägerschaft periodisch überprüfen werden. Die Kosten sind aufgrund der

sehr zahlreichen Spenden von Unterneh- men, Institutionen und Privaten absolut vertretbar. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle, welche bis jetzt dem tollen Projekt die finanzielle Unterstüt- zung zugesagt haben. Aktuell (Stand 12. Februar 2021) sind wir auf einem Spen- denstand von 142‘379.85 Schweizer Fran- ken – somit kostet die gesamte Anlage noch 42‘620.15 Franken. Der Verkehr wird wohl zunehmen, aber dabei handelt es sich umVerkehr von Zweirädern. Denn die meisten Benutzer der Pumptrack Anlagen sind Kinder und Jugendliche, welche di- rekt mit ihrem Sportgerät zur Anlage fah- ren. Sicherlich wird auch der eine oder andere Erwachsene mit demAuto dorthin fahren, doch wird dies im Vergleich zur heutigen Situation mit Trainings- und Spielbetrieb sicher weniger werden. Ja, gung mit Vorder- respektive Hinterrad erzeugt. Natürlich kann auch im nor- malen Stil über die Hügel gefahren werden. Das Befahren fördert Koordi- nation, Balance, Geschicklichkeit und Kraft. Gefahren wird mit jeglichen Ar- ten von Rollmaterialien wie Mountain- bikes, BMX Räder, Kinderfahrräder, Laufräder (Likeabike), Scooter, Skate- board und sogar Inline-Skates. Der Vor- teil von zwei Kursen in einer Anlage besteht darin, dass sich die verschiede- nen Nutzer nicht gegenseitig behin- dern und somit möglichst viele gleich- zeitig fahren können. Dies verhindert lange Wartezeiten und reduziert die Unfallgefahr. grosse Bereicherung. Etwas grössere Kin- der, welche die Infrastruktur der traditio- nellen Spielplätze nicht mehr spannend finden, werden auf dem Pumptrackanlage anzutreffen sein. Meine Grosskinder freuen sich bereits darauf! Das Referendum wurde ergriffen, weil man Angst vor zu viel Lärm hat. Auch der bisherige «Schnitzelplatz» wurde durch Kinder und Jugendliche für ihre Aktivitä- ten genutzt – auch am Abend. Die Pump- trackanlage wird kaum mehr Lärm erzeu- gen, als die bisherige Nutzung – denn Velos machen keinen Lärm. Das Referen- dums-Komitee erklärt, dass man nicht grundsätzlich gegen Pumptrackanlagen sei – aber nicht hier. Die Sankt-Florian- Politik lässt grüssen. Deshalb am 7. März ein starkes Ja zu dieser sinnvollen Einrich- tung. Hans Weber, Ettingen

Corona könnte je nach Situation eine He- rausforderung werden. Doch erstens kann das Projekt frühestens im Frühjahr 2022 realisiert werden und bis dahin hof- fen wir alle auf eine weitgehende Verbes- serung der Lage. Dadurch, dass die An- lage bereits eingezäunt ist, würde eine behördliche Verschärfung der Benutzung von öffentlichen Sportanlagen bestens umgesetzt werden können – was wir alle nicht hoffen. Wie würden Sie einem Ortsfremden Ihr ganz persönliches «Ettigä» be- schreiben respektive schildern? Ettingen ist ein sehr schöner Ort zum Leben, da der Dorfkern seinen ursprüng- lichen Charakter weitgehend behalten hat und ringsum viel Platz für neue Be- wohnerinnen und Bewohner bietet. Nicht zu vergessen die Natur, welche mit Bächen, Weihern, Feldern, Reben (samt feinen Weinen) und Wald das Dorf am Blauen zu etwas Besonderen machen. Dazu tragen auch dieTraditionen,Märkte, Anlässe und Feste bei, welche von den Vereinen sowie der Bevölkerung getra- gen und gelebt werden. Deshalb passt auch die Beachvolleyball- und Pump- trackanlage bestens ins Guggerdorf – vielen Dank für Ihr Ja am 7. März 2021! Es ist mir ein Anliegen, Herr Brodmann für das Interview herzlichst zu danken. Und wir machen keinen Hehl daraus, dass diese Pumptrackanlage eine Inves- tition für Kinder und Jugendliche ist. Aber auch «ältere Semester» (wie der BiBo-Maa) würden sich gerne darauf versuchen. Denn bis zum allfälligen 90. Lebensjahr habe ich noch gut 30 Jahre Zeit zum Üben… Georges Küng mung an der Gemeindeversammlung für die Gegner ein offenes Ohr gehabt und ein redimensioniertes Projekt vorgeschlagen. In diesem neuen Projekt wurden einige Argumente der Gegner ernst genommen und in die Planung integriert. Insbeson- dere wurden die Betriebszeiten freiwillig gekürzt und das Aufstellen einer Toilette zugesichert. Das von der Gegnerschaft vorgebrachte Argument bezüglich Ver- kehrschaos, Suchverkehrs undWildparkie- rens dürfte nicht greifen, denn auf der Pumptrackanlage werden vorwiegend Fahrräder, Trottinetts, Inlineskaters und Skateboards benutzt. Diese aktiven Men- schen werden somit auch mit ihrem Sport- gerät zur Anlage fahren und somit kaum den motorisierten Verkehr im Quartier er- höhen. Oft wird auch wohlwollend über die Pumptrackanlage geschrieben, aber die Realisation sollte an einem anderen Platz vorgenommen werden. DiesesArgu- ment darf man fast als heuchlerisch be- zeichnen, denn in der Gemeinde gibt es aus Mangel an Platz keinen alternativen Standplatz. Dies ist der Gegenpartei sehr wohl bekannt. Seit nun 40 Jahren wohne ich in Ettingen und habe dieses Dorf als aktive und lebensfrohe Gemeinschaft er- leben dürfen. Dies soll zukünftig weiterhin so bleiben. Ich darf Sie alle auffordern, am 7.März 2021 ein «Ja» in die Urne zu legen. Dafür danke ich Ihnen herzlichst.  Andreas Haussener

Remo Brodmann: Ich bin 1966 in Et- tingen geboren, glücklich verheira- tet,Vater von einer Tochter und einem Sohn. Meine Frei- zeit verbringe ich sehr gerne in der

Natur, natürlich ein grosser Teil davon auf zwei Rädern (Mountainbike und Rennrad) und im Winter im Schnee (Snowboard, Ski, Touren und Langlauf). Nebst diesen Leidenschaften reise ich sehr gerne und bin den kulinarischen Reizen nicht abgeneigt. Meine Lehre ab- solvierte ich als Automechaniker und wechselte im Jahre 1992 in die Versiche- rungsbranche in den Aussendienst der Mobiliar-Versicherungen. Seit wann gibt es den Verein «Blauen Biker» und wie viele Mitglieder zählt dieser? Unser Verein wurde am 5. Dezember 2000 im Restaurant Rebstock in Ettingen gegründet und ist aus der «IG Blauen Bike Race» entstanden, welche während fünf Jahren ein jährliches Mountainbike- Rennen in und um Ettingen durchgeführt hatte.Aktuell sind wir 135 Mitglieder und davon sind 46 Kinder und Jugendliche.

Was ist eine Pumptrackanlage? pd/kü. Ein Pumptrack ist – kurz und knapp gesagt – ein Spielplatz für Zwei- räder. Er bietet grossen Spass für alle Generationen, sei es beim Befahren oder beim Zusehen. Ein Pumptrack ist ein speziell ge-

schaffener Rundkurs auf einer mög- lichst ebenen Fläche. Der Kurs besteht aus Wellen und erhöhten Kurven. Ziel ist es, auf dem Rundkurs weder zu tre- ten noch zu bremsen und nur durch das Strecken von Armen und Beinen Ge- schwindigkeit aufzubauen und das Tempo somit in die Kurven (mit) zu neh- men. Der nötige Schwung wird dabei durch geschicktes Verlagern des Kör- pergewichts und einer «Pump»-Bewe- Das Bild von Chur im Abstimmungs- heft zeigt einen einfachen Pumptrack, der in Kombination mit einem Kinder- spielplatz gebaut wurde. Aus zwei ver- schiedenen Quellen wissen wir, dass die Anlage vor allem von jüngeren Kindern befahren wird, denn der anspruchsvol- lere Pumptrack befindet sich am Stadt- rand und noch attraktiver ist die Anlage am Dorfrand von Domat-Ems. All die nachhaltig negativen Aspekte einer Pumptrackanlage im Quartier, die es auch in Chur zu vermelden gibt, wer- den klein und schön geredet. Darum empfehlen wir mit Überzeugung Nein zum Pumptrack an diesem Standort! Vie- len Dank.  Das Referendumskomitee  Nein Pumptrack «Hintere Matten»

LESERBRIEFE

nenkonforme Parzelle am «Dorfrand» ist auch nicht auszumachen. Für die heutige Jugend ist ein Ja zur Anlage am aktuell projektierten Standort erwünscht und notwendig. Peter Hirschmann, Ettingen

Ja zu Pumptrackanlage und Beachvolleyfeld Die Grünen Leimental sagen Ja zur Pumptrackanlage und zum Beachvolley- feld in Ettingen. Das Referendumskomi- tee bemängelt den Standort dieser An- gebote für die Jugend. Einen anderen möglichen Standort gibt es aber in Ettin- gen einfach nicht.  Für die Grünen Leimental Thomas Appenzeller Ja zur Pumptrackanlage Die Diskussion um die Pumptrackanlage «Hintere Matten» ist heftig. Man kann die Argumente beider Seiten verstehen und nachvollziehen. Welche wiegen schwerer? Das Areal Hintere Matten war schon immer ein Areal von öffentlichem Interesse und deshalb als Zone für öffentliche Werke und Anlagen ausgeschieden. Die Pump- trackanlage wäre also am richtigen Ort, da der zügelnde FC Ettingen in die Tog- gessematt zieht. Sollte die Pumptrackan- lage am 7. März mit Standort «Hintere Matten» abgelehnt werden, ist das ganze Projekt für lange Zeit erledigt. Die Toggessematt bietet keinen Platz für eine Pumptrackanlage und eine andere zo-

Nein zum Pumptrack «Hintere Matten»

Bei der Abstimmung geht es um die Son- dervorlage und die Erstellung von einem Beachvolleyballfeld und einer asphaltier- ten Doppel-Pumptrackanlage. Die von Schülern und Fussballfreunden beliebte Streetsocceranlage soll entfernt werden. Das Prokomitee verfälscht in ihren Argumentationen die zur Abstimmung kommende Sondervorlage, indem es von einem zweiten Beachvolleyballfeld schreibt und einer Verkleinerung der Pumptrackanlage. Dieser Vorschlag steht am 7. März jedoch nicht zur Abstim- mung! Stimmen Sie Nein zum Standort bzw. Nein zur Pumptrackanlage, so wird der Weg frei für eine Neuplanung und eine breitere Nutzung des Schnitzelplatzes bzw. für mehr als ein Beachvolleyball- platz und die gleichzeitige Beibehaltung der beliebten Streetsocceranlage. Zudem steht der Planung einer etwas kleineren Pumptrackanlage für die Jugend an ei- nem geeigneteren Standort nichts mehr imWege.

pumptrack-ettingen.ch

Ja zur Pumptrackanlage Auf dem bisherigen «Schnitzel-Sport- platz» ist eine Pumptrackanlage geplant. An der Gemeindeversammlung wurde dem Projekte mit 168 zu 51 Stimmen zu- gestimmt. Dagegen wurde das Referen- dum ergriffen. Am 7. März findet die Ur- nenabstimmung statt. Eine Pumptrackanlage ist ein Kinder- spielplatz für Zweiräder. Deshalb wird diese vor allem durch Kinder genutzt wer- den. Ich finde, diese Sportanlage ist eine

Warum gehört ein Ja in die Urne

Am 7. März 2021 können die Ettinger über die Erstellung einer Pumptrackanlage so- wie eines Beachvolleyballplatzes auf der Sportanlage «Hintere Matten» abstim- men. Ich werde mit grosser Überzeugung ein «Ja» in die Urne legen. Gerne fordere ich die Ettinger*innen auf, ebenfalls mit einer Befürwortung dieses Projekts auf das Referendum zu antworten. Der Verein Blauen Biker hat auch nach der Zustim-

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