Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Mutter und den elterlichen Koitus repräsentieren, der vom Kind als sadistisch verstanden wird. Nordamerikanische Analytiker (Lew Aron 1995) unterstreichen die Bedeutsamkeit, die der von Klein (1995 [1929a], 1995 [1929b] und später von Britton (1989) beschriebenen Bildung einer Phantasie der Vereinigte-Eltern-Figur zukommt. Diese geht der Symbolisierung zeitlich voraus. Die Vereinigte-Eltern-Figur verschmilzt Elemente (d.h. Partialobjekte), deren Eigenschaften nicht klar voneinander unterschieden sind und deren Vereinigung ein Gefühl des Chaos erzeugt. Die Phantasien, die der Figur der Vereinigten-Eltern zugrunde liegt, verändern sich, wenn das Kind die Fähigkeit erwirbt, Beziehungen zu ganzen Objekten aufzunehmen, und mit der Fähigkeit zur Symbolisierung das Gefühl eines eigenständigen Selbst entwickelt. Wenn sich das psychische Geschehen von der Dominanz des paranoid-schizoiden Modus auf die Vorherrschaft des depressiven Modus verlagert, wird auch das innere Bild der Vereinigte-Eltern-Figur in das Bild von Eltern als getrennten ganzen Objekten in einer wechselseitig befriedigenden Interaktion transformiert. Mit dem Gefühl eines getrennten Selbst und ausgestattet mit der Fähigkeit zu symbolischem Denken kann das Kind nun die Phantasien entfalten, welche die Urszene konstituieren. III. Aab. Hanna Segal (und Sanchez’ zeitgenössische Weiterentwicklung) Segal (1950, 1957, 1979) leistete einen wichtigen Beitrag, indem sie die Verschmelzung des Symbols mit seinem Referenten als eine symbolische Gleichsetzung beschrieb und erläuterte, dass die fehlende Differenzierung zwischen dem symbolisierten Ding und dem Symbol eine Störung der Objektbeziehungen und eine Fixierung an konkretistisches Denken darstellt. Die Symbole selbst werden konkretistisch erlebt und benutzt und können nicht zur Kommunikation verwendet werden. Während sowohl Ferenczi (1912) als auch Jones (1916) das Phänomenon bereits erkannt hatten und Klein (1995 [1930]) auch den Begriff „symbolische Gleichsetzung“ benutzte, wurde er von Segal (1950, 1957) detailliert ausgearbeitet und präzisiert. Sie zeigte anhand brillanter Beispiele, wie ein Objekt und ein weiteres, welches das erste Objekt symbolisch repräsentiert, in der Psyche des Psychotikers miteinander verschmelzen. Sie beschrieb „symbolische Gleichsetzung“ als Teil einer Störung der Beziehungen des Ichs zur Welt der Objekte. In diesem Zusammenhang verwies Segal auf die pathologische Form der projektiven Identifizierung und schrieb: „Teile des Ichs und innere Objekte werden in ein Objekt projiziert und mit diesem identifiziert. Die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Objekt wird verdeckt“ (Segal (1990 [1957], S. 208). Festzuhalten ist, dass Segal die Begriffe „symbolisieren“ und „Prozess der Symbolbildung“ ähnlich wie Klein austauschbar benutzte.

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