Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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unbewusste Symbolik. Kubies Postulat kombiniert die psychoanalytische Symbolik mit den nicht-analytischen Theorien der Symbolik, wobei der spezifische Charakter der psychoanalytischen Symbolik potenziell verloren zu gehen droht (Blum 1978). Was die Symbolbildung betrifft, so verstand Kubie (1953) den Prozess als einen Bruch zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“, zwischen Innen- und Außenwelt. IV Ac. Felix Deutsch (1959) entwickelte eine Theorie der Symbolbildung, derzufolge verlorene Objekte durch Retrojektion – d.h. durch die Projektion eines Aspekts des Körpers auf das primitiv differenzierte Objekt und dessen anschließende Re-introjektion ins Körper-Ich – neuer Sinnesobjekte wiederhergestellt werden. Verlorene narzisstische und Partialobjekte werden auf diese Weise mit dem Körperbild und dem Körper-Ich verbunden und bleiben im Unbewussten mitsamt verdrängten Wahrnehmungen, Affekten und Ideen erhalten. Zu verzeichnen sind Übereinstimmungen zwischen den Auffassungen Kleins, Kubies und Deutschs bezüglich der Rolle, die Verschiebung und Verdichtung sowie Introjektion und Projektion über die Ich-Grenzen hinweg bei der Symbolbildung spielen. IV Ad. Charles Rycroft (1956), ein britischer „Unabhängiger“, dessen Arbeiten zu seiner Zeit in Nordamerikan womöglich weiter verbreitet waren als in Großbritannien und von nordamerikanischen Analytikern gelesen, anerkannt und weiterentwickelt wurden, vertrat die Ansicht, dass die Symbolik weder ein exklusiv primärprozesshafter Vorgang sei noch exklusiv im Dienst des Unbewussten stehe; vielmehr handele es sich um eine allgemeine Tendenz der Psyche. Primär- und Sekundärvorgang sowie bewusste und unbewusste psychische Aktivität bilden ein Kontinuum, und die Symbolik kann sowohl von der unbewussten Phantasie als auch von der realitätsbereichernden Vorstellungskraft in Dienst genommen werden. Rycroft bezeichnete Wörter als eine spezifische Klasse sekundärprozesshafter Symbole, die vom Primärvorgang in Träumen und in der Schizophrenie ebenso wie andere Symbole behandelt werden können. IV Ae. Laut David Beres (1960, 1968, 1980) unterscheidet die Psychoanalyse zwischen dem bewussten Zeichen und dem Symbol, das einen unbewussten psychischen Inhalt durch einen Ersatz repräsentiert. Das bewusste Zeichen dient der Kommunikation und geht mit einem Aufschub der Abfuhr einher; das Symbol erreicht sofortige Abfuhr durch Verdrängung und Entstellung des unbewussten Inhalts. In diesem Fall kann die Kommunikation ein sekundäres Resultat sein und unbewusst herbeigeführt werden. Die Symbolbildung wird als unbewusster Prozess verstanden, durch den eine bewusste Wahrnehmung eine unbewusste psychische Repräsentation ersetzt. Gleichzeitig kann das Symbol eine andere, weitere Bedeutung haben, die nicht der Verdrängung unterliegt und ohne Weiteres verstanden wird. Die Bedeutung des aus

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