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Gefühlsbruchstücke aus einem in der Zeit eingefrorenen und sequenziell organisierten, sich aber endlos wiederholenden Trauma. Ähnliche Unterschiede bestehen in Bezug auf Realitätssinn, Wahrnehmung, Denken und andere Charakteristika (Fernando 2018b). In Bezug auf die Symbolik fehlt es sowohl dem Primär- als auch dem Zero- Prozess an der entwickelten Sprache, die auf der kombinatorischen Symbolik des Sekundärvorgangs beruht; doch auch dieses Fehlen ist jeweils unterschiedlich. Die Symbolik des Primärvorgangs beruht auf der Körper- und der unmittelbaren Wahrnehmung mit invarianten Verbindungen zwischen dem Symbol und dem Symbolisierten sowie auf den bekannten Symbolen für die Genitalien. Weil die Anzahl der Symbole überschaubar ist und sie universal und konkret sind, lassen sie die Kombinationsmöglichkeiten, die den erweiterungsfähigen Ausdrucksweisen – einschließlich komplexer abstrakter Ideen – der Symbolisierungssysteme des Sekundärvorgangs zur Verfügung stehen, nicht zu. Fernando (2018b) zufolge ist am Zero-Prozess eine andere Ebene des „Konkretismus“ beteiligt als am Primärvorgang, da er die Fragmente und Teilchen enthält, aus denen die Erfahrung erster Ordnung konstruiert wird. Er verortet ihn daher an einem Punkt vor den konstruierten Erfahrungen und Phantasien, die den Primärvorgang bilden. Der Zero-Prozess enthält das Material, aus dem nicht nur Erinnerungen und Phantasien, sondern auch die Symbole des Primär- und des Sekundärvorgangs gebildet werden. Fernandos Überlegungen weisen einen hohen Grad an Übereinstimmung mit denen der französischen psychosomatischen Schule (z.B. de M’Uzan 2003) und einigen französisch-kanadischen Autoren (z.B. Scarfone 2017) auf, die ebenfalls eine Stufe der psychischen Entwicklung postulieren, die jeglicher Form der Symbolisierung des Primär- wie auch des Sekundärvorgangs vorausgeht. Hier zeigt sich eine wichtige theoretische Diskrepanz bezüglich der Überlegungen zur Symbolik und zur Entwicklung der Psyche im Allgemeinen, nämlich zwischen Autoren, die ein symbolisches Funktionieren von Beginn an vermuten, und jenen, die von einer Phase vor jeder Art der Symbolbildung ausgehen. Autoren der einen Seite vermuten symbolische Prozesse selbst bei schwerer Regression und in schwergestörten Zuständen (vgl. Segals Konzept der symbolischen Gleichsetzung), während Autoren der anderen Seite Phasen oder Formen des psychischen Funktionierens ohne jede Art der Symbolik konzipieren. Dieses theoretische Problem hat erhebliche klinische Konsequenzen für die Arbeit mit und Deutung von psychosomatischen und traumatisierten Zuständen. IV. E. Beispiel britischer objektbeziehungstheoretischer Perspektiven in Nordamerika: Judith Mitrani (1995) knüpft an Bions Konzepte des Containments und der mütterlichen Alpha-Funktion und Reverie an, durch die rohe Sinnesdaten (Beta- Elemente) des Säuglings in bedeutsame Gedanken (Alpha-Elemente) transformiert werden. Sie formuliert eine scharfsinnige klinische und theoretische Erklärung, die
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