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zeigt, wie das Unvermögen der Mutter, diese Funktion zu erfüllen, zu einer Beeinträchtigung der sich entwickelnden Symbolisierungsfähigkeit des Kindes und seiner Verinnerlichung der Alpha-Funktion führen kann.
James Grotstein In einer komplexen synthetischen Übersicht erörtert Grotstein (1979) unter ausdrücklicher Berufung auf Freud (1900a), Bion (2006 [1970]), Chomsky (1968) und Pribram (1971), dass der menschliche Säugling auf die Reife seiner Symbolisierungsfähigkeit warten muss, um die Härten der Trennung zu bewältigen und ein Vokabular zu erwerben, das es ihm ermöglicht, Unterscheidungen zu treffen und symbolische Einheiten zu integrieren. Auf diese Weise erweitert er die Konnotationen, die Chomsky mit den ererbten Tiefenstrukturen zuschreibt, und formuliert das Konzept einer vererbten Tendenz zu einer Instrumentalität der Traumäußerung. Mit Bezug auf Pribram postuliert Grotstein, dass die Organisation der rechten Hirnhälfte, die sich an holistischen, räumlichen, kontextuellen, emotionalen und visuellen Hinweisen orientiert, zu Kommunikationszwecken auf Symbolik angewiesen ist. In Erweiterung Bions behauptet Grotstein (1979) ferner, „dass Träume als Container betrachtet werden können, deren Inhalt die Kommunikation ist, die vom Container – dem Symbol – fortlaufend revidiert und umformuliert wird, der neue und unterschiedliche Publikumsanforderungen an den Inhalt stellt. Das Publikum des Traums und der Produzent des Traums sind daher lediglich unterschiedliche Aspekte derselben symbolischen Einheit. Wenn das Publikum den Traum vom Container/Produzenten empfängt, signalisiert es dem Produzenten Akzeptanz, Modifizierung, Zensur, Aufforderung zur Wiederholung usw. Die beiden stehen in sehr engem Kontakt; für sie ist ‚ich‘ das Subjekt und Selbst das Objekt“ (S. 128). Grotstein geht davon aus, dass Bions Konzept des Alphabetisierungsprozesses der Alpha-Funktion (Bion 2013 [1962]) mit der Theorie der Traumarbeit übereinstimmt, die Freud (1900a) im 7. Kapitel seiner Traumdeutung dargelegt hat, und formuliert auf dieser Grundlage die These, dass eine psychotisch Erkrankung in erster Linie eine Erkrankung des Symbolisierungsprozesses sei. Dieser Hypothese zufolge beruht die Fähigkeit, psychisch gesund zu sein, auf der Fähigkeit, die Gestalten der Außenwelt zu demontieren, sie in der inneren Welt wieder zusammenzusetzen und sie als Bilder zu konservieren. In diesem Kontext wird die Psychose als eine Unfähigkeit charakterisiert, diese Gestalten so zusammenzusetzen, dass sie ihren Pendants in der Außenwelt ähneln; die Bilderwelt der inneren Leinwand ist daher unzusammenhängend, zerrissen, dis-symbolisch und chaotisch. Das Grundproblem der Psychose besteht darin, dass die Bilderwelt inkohärent bleibt und auf dieser Inkohärenz nichts aufbauen kann. Das vorrangige Problem der Schizophrenie ist die Dis-symbolik, deren Konsequenz die Denkstörung
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