Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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zu denken und Ambiguität auszuhalten, und mit der Fähigkeit zu Kreativität möglich und wirkt sich zugleich günstig auf diese Fähigkeiten aus. Aron nutzt Melanie Kleins (1995 [1929b]) Konzept der Vereinigte-Eltern-Figur und das klassische Konzept der Urszene als Metaphern, die Licht auf die Fähigkeit werfen, im Kontext der auftauchenden Subjektivität und Intersubjektivität zwei gegensätzliche Vorstellungen zu hegen, statt sie miteinander zu verschmelzen oder gegeneinander abzuspalten. Während die Vereinigte-Eltern-Figur als symbolische Gleichsetzung (Segal 1957) im paranoid-schizoiden Modus beginnt, findet im Zuge des Durcharbeitens der depressiven Position eine Differenzierung ihrer einzelnen Elemente statt. Die Eltern tauchen als ganze, getrennte Personen auf und können als separate Zentren der Subjektivität anerkannt werden (Aron 1995, S. 211f.). Jill Gentile (2001, 2008) entwickelt ihre Sichtweise des Auftauchens der menschlichen Subjektivität und Intersubjektivität, der Urheberschaft und des „Übergangssubjekts“ in Bezug auf die Symbolisierung mithilfe von Ogdens Konzept des „analytischen Dritten“ und Winnicotts Konzept des „Übergangsobjekts“. Während die Psychoanalyse, so Gentile, typischerweise die Rolle des Vaters betont, ist die bemerkenswerteste Eigenschaft der ödipalen Situation unter dem Blickwinkel der auftauchenden Urheberschaft des Kindes (oder des Patienten) das Auftauchen einer dritten Person als sexuelles Subjekt. Gentile beschreibt den Prozess, in dem der Patient als ein „symbolisches Übergangssubjekt“ auftaucht und ein „symbolisches Leben“ lebt und erklärt: „Das Übergangssubjekt verankert seine Wünsche in einem Bereich jenseits des streng Psychischen, der nicht zum streng Materiellen gehört, und kreiert ein Erbe oder einen persönlichen Eindruck, der an der Schwelle subjektiver Schöpfung und materiellen Lebens erzeugt wird und sowohl zutiefst persönlich ist als auch kulturell symbolisch“ (Gentile 2008, S. 972f.). IV. J. Symbolbildung in entwicklungspsychologischer Sicht (Einflussreiche nordamerikanische und internationale Autoren in Nordamerika) Jean Piaget (1951) hat die Entwicklungsmeilensteine und die kognitiven Fähigkeiten beschrieben, die an Symbolisierungsprozessen (am „symbolischen Spiel“) beteiligt sind. Er versteht das Symbol als einen Versuch, affektive Schemata zu assimiieren, d.h., es es ist in seinen Augen weder Anzeichen einer Verdrängung noch der Existenz einer Zensur. Seiner Ansicht nach umfasst der Bereich des Unbewussten mehr, als durch Verdrängung erklärbar ist und der Zensur unterliegen kann. Piaget hielt es nicht für notwendig, zwischen bewussten und unbewussten Symbolen zu unterscheiden, weil er das symbolische Denken als ein Ganzes betrachtete.

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