Zurück zum Inhaltsverzeichnis
„Wenn der Kraftausdruck Betretenheit und Peinlichkeit hervorruft, wird die Schlacht um die Sauberkeitserziehung wiederbelebt. Erntet er ein Lachen als Reaktion, zeigt dies, dass die Sprache ihre ursprüngliche symbolische Bedeutung für einen Augenblick zurückerlangt hat. Wir lachen aus Freude, als würde unsere prägenitale Zeit uns einen kurzen Besuch abstatten. In der analen Phase vor der Sauberkeitserziehung war die Verbalisierung ein Symbolisierungsspiel“ (ebd., S. 717). Das heißt, nach der analen Phase erfolgt die Ordnung der Realität durch Symbole. Paul Pruyser (1968) schreibt über die Art und Weise, wie Menschen die Realität durch Symbole ordnen , Folgendes: „Symbolik organisiert die vielfältigen Wahrnehmungen nicht durch intellektuelle Reduktion. Sie bewahrt die Wahrnehmungseindrücke auf eine besonders reiche und herrliche Weise, indem sie jedes Ding es selbst sein lässt und gleichzeitig einen Verweis auf etwas anderes, das sich der Wahrnehmung entzieht“ (S. 101). Im Gegensatz dazu zeigt sich die Unfähigkeit, ein Ding es selbst und gleichzeitig nicht es selbst sein zu lassen, die zu einer Art Verwebung unsortierter Gegenstandshaufen führt, im Synkretismus. „In der synkretistischen Organisation des Denkens“, so schreibt Pruyser weiter, „werden wesentliche Unterschiede um einer lockeren oder hochgradig gekünstelten Einheit wegen übertüncht“ (ebd., S. 97). Dies ist die hochgradig gekünstelte Einheit, die sich in Hannah Segals Beschreibung der „symbolischen Gleichsetzung“ (Segal 1957) findet, der Verschmelzung des Symbols mit seinem Referenten – man denke an den Musiker, der nicht Geige spielt, weil er das Geigen mit dem Masturbieren verwechselt. 1983 setzte Pruyser Freuds Verständnis der Illusion (1927) zu Winnicotts Theorie der Übergangsobjekte und Übergangsphänomene (Winnicott 1957) in Beziehung, um seine Theorie des „Spiels der Imagination“ zu formulieren. Auf der einen Seite steht hier eine autistische und auf der anderen eine realistische Welt. Zwischen diesen beiden Welten befindet sich eine dritte, eine illusionäre Welt. Die illusionäre dritte Welt zwischen der autistischen Welt der Symptome und der realistischen Welt der Zeichen und Hinweise enthält Symbole. Laut Charles Sarnoff (1970, 1976, 2002-2003) muss das Kleinkind im symbolischen Spiel in der Lage sein, Ähnlichkeiten auf der Grundlage oberflächlicher Hinweise zu erkennen, die zu Herstellung psychischer Verknüpfungen führen können; entlang der durch die Wahrnehmung von Ähnlichkeiten vorgenommenen Verknüpfungen findet eine Verschiebung statt; eine gewisse Fähigkeit zum Befriedigungsaufschub ist Voraussetzung der symbolischen Gratifikation; die Motivation zur Verschiebung kann die Dringlichkeit des Triebwunsches lindern oder das Selbstobjekt vor aggressiven Strebungen schützen. In der Entwicklung erfolgt laut Sarnoff ein Fortschreiten von metaphorischen Symbolen zu psychoanalytischen Symbolen im eigentlichen Sinn. So erfolgt die Benutzung von Metaphern auf vorgebahnten Pfaden, die eine verschobene
889
Made with FlippingBook - Online magazine maker