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aus „rollenden“ metaphorischen deutenden Übersetzungen-Transformationen zwischen und von unterschiedlichen Erfahrungsbereichen , die von präpsychischen, präsymbolischen (enaktiven, somatosensorischen, viszeralen) Erfahrungsmodi bis zur unbewussten Traumsymbolik und schließlich zur vorbewussten Symbolik der Sprache reichen (Papiasvili 2014, 2016, 2019; Papiasvili & Mayers 2017). In dieser Arbeit treffen Wilfred Bions und André Greens Konzeptualisierungen der „Transformation“ (Grotstein 2008; Green 2008) sowie Mancias (2006) Beschreibungen des „Nicht- Erinnerten“ und „noch nicht Symbolisierten“, das zuerst in einer Prosodie der Sprache und viszeral-sensomotorischen Erfahrungen und erst nach und nach in Träumen auftaucht, mit der von Godfrind-Haber & Haber (2002) beschriebenen „gemeinsam agierten Erfahrung“ von Übertragungs- und Gegenübertragungsenactments zusammen, die „symbolische Sprünge“ im Feld von Übertragung-Gegenübertragung verstärken. Wie jedes Erfahrungssystem, so durchläuft auch das verbale-kommunikative System seine eigene Entwicklung. Sprachen der frühen Kindheit hängen aufs engste mit körperlichen Sensationen und konkreten Erfahrungen zusammen. Daher beinhalten die Deutungen selbst eine „Metaphorisierung unsymbolisierter“ Wörter, die entwicklungs- oder traumabedingt konkretistisch erstarrt sind.
V. ENTWICKLUNGEN IN LATEINAMERIKA
V. A. Internationale Autoren, die in Lateinamerikan einflussreich sind V Aa. Der interdisziplinäre Beitrag Paul Ricoeurs In seinem Buch “ Die Interpretation. Ein Versuch über Freud ” untersucht Ricoeur (1974 [1965]) Freuds Werk im Bezugsrahmen des modernen philosophischen Denkens. Im Anschluss an eine Erörterung des Freud’schen Symbolbegriffs zieht er den Schluss: „[U]nser Entschluss wird es sein, die beiden Begriffe, Symbol und Interpretation, zu definieren, d.h. den einen durch den anderen abzugrenzen. Unserer Meinung nach ist das Symbol ein doppelsinniger linguistischer Ausdruck, der nach Interpretation verlangt, und die Interpretation eine Arbeit, die darauf abzielt, die Symbole zu entziffern“ (S. 21). Diese Definition, diese begriffliche Abgrenzung, ist für die klinische Arbeit relevant: Psychoanalytiker versuchen, die unbewusste Bedeutung durch die Deutung des vom Patienten präsentierten bewussten Textes zu erfassen. Ricoeur stimmt mit Ernest Jones’ Auffassung überein, dass eine Trennung zwischen Unbewusstem und Bewusstsein erforderlich ist, um den Symbolisierungsprozess abschließen zu können. Obwohl er den Doppelsinn
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