Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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sprachlicher Ausdrücke betont, erweitert er diese Möglichkeit auf andere Kommunikationskanäle (z.B. Freud’sche Versprecher). Laut Ricoeur sind Symbole überdeterminiert. Er unterscheidet zwei Pole des symbolischen Spektrums, „von denen die eine dem Wiederauftauchen archaischer, zur Kindheit der Menschheit und des Individuums gehörender Bedeutungen, die andere dem Auftauchen von antizipatorischen Gestalten unseres geistigen Abenteuers zugewandt ist“ (ebd., S. 507). Ricoeur nimmt vorwiegend Bezug auf kulturelle und wissenschaftliche Themen. Daher begreift er die Sublimierung nicht als eines der Triebschicksale, sondern erklärt: „Die Sublimierung […] ist die symbolische Funktion selbst“ (ebd., S. 508). V. Ab. Einflüsse der britischen Objektbeziehungstheorien Die Konzepte der britischen Objektbeziehungstheorien, die in Lateinamerika den größten Einfluss ausgeübt haben, stammen aus der Theorie Melanie Kleins und ihrer Weiterentwicklung durch Hanna Segal , aber auch aus der sogenannten Unabhängigen Tradition, wobei vor allem Winnicott und, als Vertreter der Gegenwart, Parsons zu nennen sind (siehe oben). Donald Winnicotts Einfluss : Lateinamerikanische Analytiker, die die entwicklungspsychologische dynamische und kulturelle Dimension der Symbolbildung betonen, führen Winnicotts Einfluss auf seinen Text „Haß in der Gegenübertragung“ (Winnicott 1983 [1947]) zurück. Symbole können unterschiedliche Bedeutungen haben und müssen im Kontext der Entwicklung des Individuums untersucht werden. So kann die Hostie im katholischen Christentum der Körper Christi sein und im Protestantismus den Körper Christi repräsentieren . In „Haß in der Gegenübertragung“ erläutert Winnicott, dass die erste Option dem psychotischen Funktionieren entspricht, die Symbolisierung hingegen Teil des normalen Prozesses ist: „Für den Neurotiker können die Couch, die Wärme und die Behaglichkeit symbolisch für die Liebe der Mutter stehen; beim Psychotiker wäre es angemessener zu sagen, diese Dinge seien physischer Ausdruck der Liebe des Analytikers. Die Couch ist der Schoß oder der Mutterleib des Analytikers, und die Wärme ist die lebendige Körperwärme des Analytikers.“ (S. 84) Das komplexe Konzept der Übergangsphänomene erklärt vielerlei unterschiedliche Dinge, die sich im Laufe der frühen Entwicklung im Rahmen der Interaktionen mit den ersten Objekten des Babys ereignen. Es ist wichtig festzuhalten, dass das Übergangsobjekt zwar ein Symbol ist, aber lediglich anzeigt, dass der Symbolisierungsprozess sozusagen auf dem Weg ist – das heißt, er ist noch keineswegs abgeschlossen. „Für den Neurotiker können die Couch, die Wärme und die Behaglichkeit symbolisch für die Liebe der Mutter stehen; beim Psychotiker wäre es

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