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angemessener zu sagen, diese Dinge seien physischer Ausdruck der Liebe des Analytikers. Die Couch ist der Schoß oder der Mutterleib des Analytikers, und die Wärme ist die lebendige Körperwärme des Analytikers.“ (S. 84) Das komplexe Konzept der Übergangsphänomene erklärt vielerlei unterschiedliche Dinge, die sich im Laufe der frühen Entwicklung im Rahmen der Interaktionen mit den ersten Objekten des Babys ereignen. Es ist wichtig festzuhalten, dass das Übergangsobjekt zwar ein Symbol ist, aber lediglich anzeigt, dass der Symbolisierungsprozess sozusagen auf dem Weg ist – das heißt, er ist noch keineswegs abgeschlossen. In “Location of Cultural Experience” schreibt Winnicott (1967): “Ich habe behauptet, dass wir, wenn wir zusehen, wie ein Kleinkind sich mit einem Übergangsobjekt, dem ersten Nicht-Ich-Besitz, beschäftigt, miterleben, dass es zum ersten Mal ein Symbol verwendet und seine erste Spielerfahrung macht. […] Dieses Symbol kann lokalisiert werden. Es ist ein Ort in Raum und Zeit, an dem sich die Mutter im Übergang befindet zwischen der (vom Kind empfundenen) Verschmelzung mit dem Baby und seinem Erleben der Mutter als Objekt, das wahrgenommen und nicht imaginiert wird. Die Verwendung eines Objekts symbolisiert die Einheit zweier nun getrennter Dinge, Baby und Mutter, an zeitlichen und räumlichen Punkt des Beginns ihres getrennten Zustandes“ (ebd., S. 96f.). Die in frühen Interaktionen auftauchenden Übergangsphänomene sind in gewisser Weise Vorläufer kultureller Erfahrung: "Ich habe den Begriff der kulturellen Erfahrung in Erweiterung des Konzeptes der Übergangsphänomene und des Spiels benutzt, ohne mir jedoch sicher zu sein, dass ich das Wort ‚Kultur‘ überhaupt definieren kann. Die Betonung liegt ohnehin auf Erfahrung“ (ebd., S. 99). Winnicotts Beiträge, insbesondere seine Arbeiten über die Übergangsphänomene, z.B. das Übergangsobjekt und den intermediären oder potenziellen Raum „zwischen dem Subjektiven und dem, was objektiv wahrgenommen wird“ (1953, S. 90), sowie viele andere komplexe Dimensionen der Übergangshaftigkeit haben die lateinamerikanische Psychoanalyse nicht nur direkt beeinflusst, sondern erwiesen sich auch als Grundlage für das Verständnis der Psyche, das von französischen Autoren, speziell von René Roussillon und André Green, entwickelt wurde, die einen tiefen Einfluss auf die lateinamerikanische analytische Arbeit ausgeübt haben.
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