Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Verrücktheit. Grenzfälle der psychoanalytischen Praxis“ (Green 2000 [1990]). Dabei ging es ihm in erster Linie darum, die wichtige Rolle der Symbolisierung im analytischen Prozess zu beschreiben. Seine Beiträge sind für die psychoanalytische klinische Praxis in Lateinamerika von hoher Relevanz. In der psychoanalytischen Arbeit mit überwiegend neurotischen Patienten, die über eine intakte Symbolisierungsfähigkeit verfügen, kann der Analytiker im Kontext des klassischen Verständnisses von Übertragung und Gegenübertragung seine Affektivität und seine Empathie einsetzen, um Deutungen anzubieten. Das Setting bleibt weitgehend im Hintergrund. In Bezug auf die Behandlung von Borderline- und psychosomatischen Patienten hingegen schreibt Green, er wolle in seinem Beitrag „die folgenden Punkte entwickeln:“ „1. Die Rolle des Analytikers in einer erweiterten Konzeption der Gegenübertragung, die deren imaginative Bearbeitung einbezieht. 2. Die Funktion des analytischen Rahmens und seine Beziehungen zum seelischen Geschehen durch die Symbolisierungseffekte“ (S. 172). In diesem Sinn formuliert er eine breitere Definition der Gegenübertragung, die nicht nur die Auswirkungen der Emotionen des Analytikers berücksichtigt, sondern auch sein eigenes, durch seinen beruflichen und kulturellen Hintergrund beeinflusstes „seelisches Geschehen“. Darüber hinaus sind diese Patienten auf die Konstanz, das Containment und die Privatsphäre des analytischen Settings angewiesen: “Es wurde versucht, die Bedeutung des analytischen Rahmens und des psychischen Funktionsablaufs aufzuzeigen und die Bedingungen für die Bildung des analytischen Objekts mit der Symbolisierung zu verbinden. Das Hinzukommen des durch den Rahmen konstituierten Dritten zu der dualen Beziehung wurde berücksichtigt“ (S. 213), schreibt Green in seiner Zusammenfassung des Beitrags. Möglich wird die Symbolisierungsarbeit nur, wenn das Setting die Entwicklung einer Objektbeziehung zulässt (S. 195). In seiner Beschreibung des psychischen Geschehens seiner Patienten, der er verschiedene Aspekte des psychoanalytischen Prozesses zugrunde legt, betont Green: „1. Die Erfahrungen primärer Verschmelzung zeugen von einer Unterschiedslosigkeit zwischen Subjekt und Objekt mit Störungen der Ich-Grenzen. 2. Die besondere Art der Symbolisierung, die aus der dualen Organisation herrührt. 3. Die Notwendigkeit einer strukturierenden Integration durch das Objekt.“ (S. 183).

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