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Rodrigué postulierte ein inneres, nicht assimiliertes Ideal-Objekt. Er schreibt, es habe kein „affektiver Austausch“ stattgefunden. Durch Linderung der Verfolgungsangst konnte der Junge die idealisierte Brust und sein Verlangen nach ihr externalisieren (d.h., er projizierte sie in ein „geeignetes“ äußeres Objekt, das sie dann für ihn verkörperte). Das Waschbecken diente als ikonisches Symbol der Brust. Im späteren Behandlungsverlauf wurde das Spiel mit anderer affektiver Färbung wiederholt. Rodrigué betont die Sorge um und Anteilnahme am Objekt, die sich deutlich von den Schuldgefühlen und der Traurigkeit abhob, die aus der Angst, es beschädigt zu haben, resultierten (depressive Ängste). Eine starke Bindung an ein spezifisches Objekt hat sich entwickelt: „Aus dieser depressiven Erfahrung geht ein klares, eindeutiges Symbol hervor“ (S. 100). Es kommt zu einer symbolischen Transformation infolge der Objekterfahrung: Vom Waschbecken (symbolische Gleichsetzung, Replik des Objekts) zum Lampenschirm (stellvertretendes Symbol). Der beschriebene und erklärte Prozess illustriert die im therapeutischen Rahmen erfolgende Ermöglichung oder Wiederherstellung der Fähigkeit zu symbolisieren. Er ging aus der Arbeit mit einem sehr kranken Kind hervor. Im Einklang mit Kleins Verständnis betrachtet Rodrigué die Symbolisierung ebenso wie andere Entwicklungsaspekte als Versuche, Angst zu bewältigen, und daher nicht als Teil der normalen Entwicklung, sondern als Abwehrgeschehen. Laut Rodrigué entsprechen die unterschiedlichen Formen der Symbolik unterschiedlichen psychischen Organisationen. Zum Beispiel entspricht die repräsentative Symbolik dem Sekundärvorgang und der depressiven Position, und die Symbolik der später so genannten „symbolischen Gleichsetzung“ dem Primärvorgang. Die Symbole sind typisch für die Art der Beziehung zwischen Selbst und Objekt und nehmen im Zuge der Selbst-Objekt-Differenzierung an Komplexität zu. V. Bb. Silvia Bleichmar (Argentinien) Silvia Bleichmar steht als postlacanianische Autorin in einer französischen, vor allem von Jean Laplanche und Piera Aulagnier geprägten psychoanalytischen Tradition, die sie mit Winnicott und der britischen „Middle School“, der sogenannten Unabhängigen Schule, verbindet, deren Beiträge zur Symbolisierung sie in ihrem Buch „ Inteligencia y Simbolización, una perspectivapsicoanalítica ” [“Intelligence and Symbolization, a psychoanalytic perspective”] (Bleichmar 2010) erörtert. Bleichmar beruft sich auf Freuds und Kleins Überlegungen zur Symbolbildung, Symbolisierung und Behandlungstechnik, lehnt aber die von Freud und Klein und vielen anderen geteilte Annahme, dass die Symbolisierung angeboren und triebhaften Ursprungs sei, entschieden ab.
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