Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Fähigkeit, über den Anderen nachzudenken, und betont, dass der Analytiker für die Weiterentwicklung der Symbolisierungsfunktion des Patienten eine wichtige Rolle spielt.

V. Bc. Isidoro Berenstein (Argentinien) Berenstein formulierte originelle Konzeptualisierungen der Symbolisierung im Zusammenhang mit „Subjekt“ und „Subjektivität“ im 4. Kapitel seines 2001 erschienen Buches El Sujeto y el Otro, de la Ausencia a la Presencia. Er beschreibt die Konstituierung der Subjektivität wie folgt: - das Repräsentierbare: das, was durch eine Repräsentation ausgedrückt werden kann. - das Nicht-Repräsentierbare: das, was einen Platz in der Psyche einnimmt und nicht durch eine Repräsentation ausgedrückt werden kann. (René Roussillon bezeichnet diesen Inhalt als etwas, das körperliche Spuren hinterlässt, nicht erinnert wird, aber in der Analyse wiederbelebt werden kann.) - die Niederschrift dessen, was zuvor nicht repräsentiert wurde. Berenstein fragt, ob das, was als Repräsentationen und Repräsentierbares in der Psyche containt wird, seinen Ursprung in den ersten Lebensjahren hat oder ob es später niedergeschrieben werden kann. Sein Hauptinteresse gilt dem Prozess der Transformation des Nicht-Repräsentierbaren in Repräsentierbarkeit durch die lebenslange Erfahrung mit Anderen . Als Beispiel für Nicht-Repräsentierbares erwähnt Berenstein die von Bion beschriebene „namenlose Angst“. Laut Berenstein können Wörter nur abdecken, was mit der Repräsentation zusammenhängt. Er beschreibt das Nicht-Repräsentierbare, das unmöglich repräsentiert werden kann, wie folgt: „Ich schlage vor, eine Reihe psychischer Fakten, die mit dem Mensch-Werden zusammenhängen, als ‚das Nicht-Repräsentierbare‘ zu bezeichnen“ (S. 101). Das Nicht-Repräsentierbare wiederholt sich, weil es weder verdrängt noch in Worte gefasst, partiell sagbar werden oder Kompromissbildungen konstituieren kann. „Eine nahezu ständige Präsenz in der Psyche, die ihre Transformation in Absenz verhindert, die Voraussetzung wäre für eine Niederschrift in Form einer Repräsentation“ (S. 100). Berenstein beleuchtet auch die sogenannte Präsentation, d.h. alles, was dem Individuum durch die Sinnesorgane präsentiert wird, einschließlich der Wahrnehmungen, die es nach dem Vorbild seiner frühen Objektbeziehungen am/an der Anderen macht. Er ergänzt diesen Ansatz um einen weiteren Aspekt, nämlich um „das Neue“ in späteren Beziehungen, das Bindungen (spanisch: lo vincular ) zulässt, zum Beispiel in

904

Made with FlippingBook - Online magazine maker