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Paarbeziehungen oder Eltern-Kind-Beziehungen. Hier spricht Berenstein von der „Herstellung eines Kontakts zum Neuen“ (S. 104). Dieser Kontakt zum Neuen betrifft sowohl Bindungsbeziehungen als auch die Einflüsse der kulturellen Umwelt: „Die Komponenten dessen, was zuvor eine Niederschrift erfahren hat, werden durch eine neue Verbindung neu geordnet, wodurch ein neues, zuvor nicht vorhandenes Ensemble entsteht. […] Die neue symbolische Ordnung verändert sie, und daher verändert sich auch ihre Bedeutung“ (S. 105). Laut Berenstein ist die Symbolisierung also ein lebenslang aktiver Prozess. Um neue Bedeutungen zu stiften, müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, unter denen sie auftauchen können: „Es gab [in der intrapsychischen Welt] keinen Platz, der auf sie wartete, und wenn ein Platz angeboten wird, verändert er die Bedeutung, die bis zu diesem Moment bestand“ (S. 105). Berenstein fährt fort: “Zwei Wege gehen von der Spur und der Niederschrift (in der Psyche) aus: der Weg der unbewussten Repräsentation und der Weg der Symbolisierung. Der erste Weg bildet nach, was als ein Objekt erscheinen kann, das vom Ich (des Subjekts) aus den von des Anderen vorgegebenen Besetzungen geschaffen wurde. Auf diese Weise wirkt die Abwesenheit des Anderen als Abwehr gegen das, was am Anderen als fremd wahrgenommen wird und nicht repräsentiert werden kann.“ (S. 108). „Das Neue" [die neue Verbindung] (S. 105) ist das, was noch keine Niederschrift erfahren hat. Dieser neue Weg beinhaltet anfangs keine Objektbeziehungen und ist ein symbolisierender Weg, der um neue Beziehungen oder neue Beziehungsanteile erweitert wird. Dies ist gleichbedeutend mit einer psychischen Reorganisation a posteriori, nach der Kindheit. Das Neue kann laut Berenstein „eine neue symbolische Ordnung“ (S. 105) nach sich ziehen. Der Symbolisierungsprozess setzt also die Präsenz-Absenz des Anderen voraus und geht sowohl aus der inneren Welt als auch aus der intersubjektiven Welt hervor. V. Bd. Ruggero Levy (Brasilien) Levys Aufsatz “From Symbolizing to Non-Symbolizing within the Scope of a Link: from Dreams to Shouts of Terrors Caused by an Absent Presence” Levy (2012) hat das Verständnis des Symbolisierungsprozesses und seiner Unzulänglichkeiten bereichert. Unter maßgeblichem Einfluss Bions benutzt Levy dessen Modell der frühen Mutter-Baby-Beziehung als Containment (siehe den Eintrag CONTAINMENT). In dieser Beziehung introjiziert das Baby die Alpha-Funktion der Mutter, die es dem Subjekt ermöglicht, mit seinem Gefühlsleben in Berührung zu kommen und Emotionen in Alpha-Elemente zu verwandeln. Für Levy, der auch Winnicott und Green zitiert,
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