Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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repräsentiert die Symbolbildung die „Wahrheit“ der emotionalen Erfahrung ; er untersucht, „was geschieht, wenn diese ‚Wahrheit‘ aufgrund des mit ihr assoziierten psychischen Schmerzes oder ihrer unerträglichen Bedeutung entstellt, angegriffen oder zerstört werden muss“. In diesem Kontext untersucht Levy verschiedene Situationen, in denen die Symbolbildung durch Beta-Elemente – primitive Emotionen, die nicht in Alpha- Elemente transformiert werden können – beeinträchtigt wird. In solchen Situationen findet entweder keine Symbolbildung statt, oder Symbole, die bereits gebildet wurden, werden zerstört. Levy spricht hier von „Nicht-Symbolen“ bzw. von „Entsymbolisierung“. Die schwerwiegendsten Beeinträchtigungen der psychischen Entwicklung werden durch Angriffe auf die Alpha-Funktion verursacht, die auf den Neid, dem der Todestrieb zugrunde liegt, zurückzuführen sind. Wenn keine Transformation in Alpha-Elemente möglich ist und primitive Emotionen nicht symbolisiert werden können, können sie auch nicht verdrängt oder vergessen werden: „Einzig durch ihre Symbolisierung können diese starken Emotionen in die symbolische Kette eingefügt, durchgearbeitet und sodann verdrängt und später ‚vergessen‘ werden“ (S. 856). Nicht-Symbole wie auch Entsymbolisierung treten bei Patienten mit schwersten Störungen, von Green als die Arbeit des Negativen beschrieben, auf. Die Reverie des analytischen Paares ermöglicht die Symbolisierung intensiver, im analytischen Feld auftauchender Emotionen, die dann die Transformation in Alpha-Elemente ermöglicht. In einer früheren Arbeit beschreibt Levy (2007) ein spezifisches Verständnis der Adoleszenz und des mit ihr einhergehenden Subjektivierungsprozesses. Er untersucht die Adoleszenz unter verschiedenen Blickwinkeln und konzentriert sich insbesondere auf den Narzissmus und die Tatsache, dass in dieser Lebensphase eine symbolische Umordnung stattfindet: „Ein schmerzvoller Prozess der Dekonstruktion und Rekonstruktion eines Systems der Repräsentationen, aus dem eine neue Subjektivität im symbolischen Universum des Subjekts auftaucht“ (S. 365). Der adoleszente Körper verlangt der Psyche ein hohes Maß an Arbeit ab, damit das „Fremde“ seiner selbst und des Blicks der Anderen assimiliert werden kann. Die symbolische Umordnung ermöglicht es dem Heranwachsenden, die Vernichtungsängste zu überwinden, die aus der Gefährdung des Selbst resultieren. Unzulänglichkeiten dieser Subjektivierungserfahrung führen zu einer traumatischen Adoleszenz. V. Bc. José Renato Avzaradel (Brasilien) Avzaradel (2005, 2006a, 2006b, 2011, 2024) hat seine Überlegungen zur Symbolisierung im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte entwickelt. Er postuliert zwei komplementäre Wege zum Verständnis der Bildung von Symbolen, die aus der Einheit von Signifikanten und Signifikaten bestehen.

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