Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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In ihrem Beitrag von 1991 schreibt sie, der Analytiker müsse die verstreuten Erfahrungselemente des Patienten (Bions Beta-Elemente) containen, um dem Patienten eine gemeinsame Integrationserfahrung zu vermitteln. Das heißt, der Analytiker müsse über den Patienten nachdenken, damit dieser über sich selbst nachdenken kann, sich in ihn einfühlen, damit dieser sich selbst fühlen kann. Sie beschreibt, dass der Analytiker seinen Patienten innerlich (einer Reverie ähnlich) konstruiert und ihm seine eigene Psyche zur Verfügung stellt. Dies geschieht nicht nur auf einer intellektuellen Ebene – wie Freud es sich vielleicht vorgestellt hat – , sondern bezieht auch die Gefühlswelt des Analytikers sowie seine Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, zuzulassen und zu bearbeiten, ein. Auf diese Weise, so Villarreal, gibt er dem Patienten Raum in seiner eigenen psychischen Welt. Später fügte sie hinzu, dass der Analytiker dem Patienten seine gesamte (vom Zeitgeist – der von ihm internalisierten kulturellen Welt beeinflusste) Symbolwelt anbietet – so wie die Mutter dem Baby die Welt ihrer Symbole anbietet. Sie stimmt also mit Green und vielen anderen Autoren darin überein, dass der Analytiker dem Patienten seine Symbolisierungsfunktion zur Verfügung stellen muss, damit dieser sie verinnerlichen kann. Villarreal versteht die Symbolisierung als einen Prozess, der nicht ausschließlich im Rahmen signifikanter subjektivierender Interaktionen stattfindet. Dass der Analytiker den Patienten innerlich konstruiert, ist für solche Analysanden von wesentlicher Bedeutung, die einen normalen Symbolisierungsprozess nicht oder nur partiell haben erleben können. Villarreals zweiter Beitrag betrifft das Gebiet, auf dem Theorie, klinische Arbeit, Behandlungstechnik, Theorie der Behandlungstechnik und die Lehrfunktion des supervidierenden Psychoanalytikers zusammenkommen. Ihr Konzept der Konstruktion ist für die Supervision von Kandidaten unverzichtbar. Der Supervisor stellt seine Symbolisierungsfunktion dem Supervidierenden-Supervidierten-Paar zur Verfügung und fördert so die allmähliche gemeinsame Konstruktion des Patienten in der Vorstellung des Analytikers.

V. C. Das synthetische Multitheorienmodell der Symbolisierung V. Ca. Theoretische Überlegungen

Zu der Vielfalt an Konzepten und Theorien, die in lateinamerikanischen multitheoretischen Formulierungen der Symbolisierung zusammenkommen, zählen sowohl komplementäre als auch widersprüchliche Konzeptualisierungslinien .

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