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V. Caa. Konzeptuelle Überlegungen Freud hat den Begriff „Symbolisierung“ selten benutzt, sondern vom Symbol oder vom Symbolischen gesprochen, ohne diese Begriffe voneinander zu unterscheiden. Die Verwendung des Begriffs „Symbolisierung“ war eher ein stilistisches Hilfsmittel, das keinen konzeptuellen Unterschied implizierte. In der psychoanalytischen Literatur wird der Begriff „Symbol“ weiterhin ohne klare Unterscheidung von „Symbolisierung“ verwendet. Freud hielt den Ursprung des Symbols, des Symbolischen, für vorwiegend angeboren. Klein hingegen führte die Symbolbildung auf Projektions- und Introjektionsprozesse zurück. Sobald das Böse auf ein Objekt projiziert wurde, das sich daraufhin in einen Verfolger verwandelt hat, muss es von diesem Objekt auf ein anderes verschoben werden. Diese Verschiebung bildet den Kern der Symbolbildung. Infolgedessen ist der auf das Objekt projizierte – im Todestrieb gründende – Hass auf das Objekt laut Klein der Stützpfeiler der Symbolisierung. Segal berief sich auf Klein und trug mit ihrem Konzept der symbolischen Gleichsetzung zum Verständnis der Symbolisierung bei: Das Objekt repräsentiert das Objekt nicht , vielmehr ist das Objekt das Objekt. Dieses psychische Phänomen resultiert aus Unzulänglichkeiten des Symbolisierungsprozesses. Zu Bions zahlreichen Beiträgen, die als Grundlage eines Verständnisses der Symbolisierung dienten, zählt seine überaus wichtige Theorie der in der frühen Mutter- Baby-Beziehung erfolgenden Transformation von Beta- in Alpha-Elemente. Ruggero Levy hat diese Theorie später in seinen Beschreibungen früher Symbolisierungsstörungen (Nicht-Symbole) und der Zerstörung bereits gebildeter Symbole (Entsymbolisierung) wieder aufgegriffen. Winnicott hat sich eingehend mit zentralen Konzepten beschäftigt, die für das Verständnis erfolgreicher Symbolisierungsprozesse hilfreich sind. Sein wichtigster einschlägiger Beitrag ist seine Konzeptualisierung des intermediären Bereichs, dem auch für die späteren Entwicklung von Green und Roussillon maßgebliche Bedeutung zukommt. Lacans Beiträge zur Symbolisierung sind seine Beschreibung des Spiegelstadiums in der Frühentwicklung und seine Theorie der symbolischen Ordnung, eines der drei Bereiche der psychischen Welt. Die symbolische Ordnung ist eine kulturelle Organisation, in die das Kind hineingeboren wird. Green betont die Bedeutsamkeit der symbolisierenden Beziehung zur Mutter und ihre möglichen Defizite, etwa die Bi-Triangulierung. Sein wichtigster einschlägiger Beitrag ist die Symbolisierungsfunktion des Analytikers, die zwar immer erforderlich ist, vor allem aber für die Analyse von nicht-neurotischen Patienten und von nicht-neurotischen Aspekten unverzichtbar ist. Green versteht das Symbol als eine zwischen Patient und Analytiker hervorgebrachte Konstruktion: das dritte Objekt.
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