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V. Cab. Die Entwicklung der Definition von Symbolisierung in Lateinamerika Aus den oben erläuterten Formulierungen ist in der lateinamerikanischen psychoanalytischen Literatur eine inklusive Definition des facettenreichen Symbolisierungskonzepts hervorgegangen: Ein zu Beginn des menschlichen Lebens startender Prozess, der eine Voraussetzung der Subjektwerdung ist. Die ersten Schritte des Symbolisierungsprozesses verflechten sich mit frühen Entwicklungsprozessen. Die Fähigkeit zu symbolisieren ist, wie schon Freud erwähnt hat, angeboren, aber der Prozess kann nur in Anwesenheit-Abwesenheit einer hinreichend guten Mutter (oder eines hinreichend guten Vaters) stattfinden, die/der dem Baby die eigene Symbolisierungsfähigkeit im Rahmen der frühen Interaktionen zur Verfügung stellt. Die in diesen frühem Beziehungen aktiven psychischen Mechanismen werden in den oft divergierenden postfreudianischen Theorien unterschiedlich konzeptualisiert. Bei „hinreichend guten“ Bedingungen kann eine komplexe innere Welt der Repräsentanzen, Gedanken und Emotionen in ständiger Interaktion mit inneren Objekten und inneren Beziehungen zwischen Symbolen organisiert werden. Diese Welt wird in der ödipalen Welt reorganisiert und um die Eigenschaft der doppelten Bedeutung – der manifesten und der latenten – bereichert, die über Benennung und Beschreibung hinausreicht. Reorganisationen und Redefinitionen können in der intrapsychischen Welt lebenslang in Interaktion mit anderen Menschen und im Bereich der Symbole stattfinden und Neues aufnehmen. Träume sind die via regia zum Verständnis der symbolischen intrapsychischen Welt. Sie operieren, mit dem Wunsch als Antriebskraft, durch intrapsychische Prozesse wie Verschiebung, Verdichtung und den Prozess der Darstellbarkeit. Die menschliche Psyche wird kontinuierlich bereichert, indem sie in symbolische Systeme wie zum Beispiel die Sprache mit ihren Metaphern und Mythen aufgenommen wird. Beeinträchtigungen des Symbolisierungsprozesses und Entsymbolisierung sind für das Verständnis psychoanalytischer Patienten von Interesse. V. Cb. Von der Theorie zur Praxis Unter Berufung auf die oben genannten Autoren und gestützt auf ihre eigene klinische Praxis hält Martha Isabel Jordán-Quintero (2015, 2016) es für wesentlich, zu beurteilen, ob der Prozess vom Präsymbolischen zur vollen Symbolisierung zufriedenstellend verläuft. Sie postuliert mehrere multitheoretische Indikatoren dieses Prozesses: 1. Die Herstellung eines intermediären Bereichs (Winnicott); 2. das Spiegelstadium (Lacan). Im Alter zwischen sechs und 18 Monaten erblickt das Kind im Spiegel sich selbst und nimmt seine Identität, seine Gestalt , freudig an. Es befindet sich vor dem Spiegel, der sein Körperbild bestätigt oder rückbestätigt. 3. das Fort-da- Spiel (Freud) zeigt, dass die Anwesenheit-Abwesenheit der Mutter repräsentiert wird,
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