Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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und die Verwendung der Wörter „fort“ und „da“ gibt den Beginn der Sprachentwicklung sowie eine beginnende Präsenz des Raum- und des Zeitkonzepts zu erkennen; 4. die Fähigkeit, freudig zu spielen, ist Ausdruck der Fähigkeit, die Als-ob- Illusion zu erzeugen; 5. die Entwicklung verbaler Sprache zu Kommunikationszwecken; und 6. das Erreichen der Latenz, in der die von Klein beschriebenen archaischen Phantasien verdrängt werden. V. Cc. Zeitgenössische klinische Verwendung Das Konzept der Symbolisierung hat sich in der lateinamerikanischen klinischen Psychoanalyse als sehr hilfreich erwiesen. Es unterstreicht die große Bedeutung der Symbolisierungsfunktion der Patienten in all ihrer Komplexität. Der Mensch verfügt je nach Entwicklungsphase, psychischer Struktur und psychischer Organisation über zahlreiche Möglichkeiten, Ebenen und Modalitäten der Symbolisierung. Die menschliche Psyche wird durch Resignifikationen und Umschriften in verschiedenen psychischen Bereichen ständig transformiert. Dies ist die Essenz der Symbolisierung. Solche Resignifikationen und Umschriften finden vorrangig im Rahmen der Analysand-Analytiker-Beziehung statt und beziehen bisher Erreichtes ebenso ein wie Unzulänglichkeiten der Symbolisierung. Frühe Beeinträchtigungen des Symbolisierungsprozesses lassen sich in Kinderanalysen, wie oben erwähnt (Jordán-Quintero 2015, 2016; Casas de Pereda 1996; Villarreal 1998/99), einfacher erforschen. Dazu im Folgenden drei Beispiele. - Ein rein konkretistisches Verständnis der Welt ist die schwerwiegendste Beeinträchtigung. Ein Beispiel dafür ist das Kind, das den Regen nicht malen kann, weil das Papier nass würde (siehe oben, Casas de Pereda). Eine Insuffizienz dieser Art – symbolische Gleichsetzung und fehlende Unterscheidung zwischen Wahrnehmung, Darstellung und Repräsentation – findet sich bei Kindern mit Autismus und psychotischen Patienten. - Die Somatisierung. Eine Dreijährige wurde wegen Stuhlverhaltung zur Analyse überwiesen. Eine organische Ursache konnte ausgeschlossen werden. Im Laufe des Analyseprozesses stellte die Patientin ihr Körperbild durch ein kleines Boot mit einem Loch im Boden dar. Somit lief das Boot Gefahr zu sinken. Das Symptom besserte sich, als die Analytikerin diese Bedeutung verstand und sie in Worte fassen konnte. Die Patientin bestätigte die Deutung. - Eine Sprache, die Schwierigkeiten mit der Symbolisierung des eigenen Selbst zum Ausdruck bringt. Ein sechsjähriger Junge sagt, wenn er im Spiel erschossen wird, wiederholt: „Je suis morte“ (weibliche Form für „Ich bin tot“). Die Analytikerin korrigiert ihn: „ mort , denn du bist ein Junge. Morte , wenn du ich wärest, denn ich bin eine Frau.“ Er wiederholt: „morte“.

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