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Bei Erwachsenen zeigen sich Störungen des Symbolisierungsprozesses auf unterschiedliche Weise. So erwähnte Freud die Erinnerungssymbole als Symptom, Hanna Segal beschrieb symbolische Gleichsetzungen, die in der heutigen Psychoanalyse mit dem Feld der Psychosen in Verbindung gebracht werden, während Green sie auf mannigfaltige, mit der Arbeit des Negativen zusammenhängende Phänomene bezog. Sie finden sich auch bei psychosomatischen Patienten und bei fehlenden Träumen oder Selbstzustandsträumen (H. Kohut), in denen der Patient den Zustand seines Selbst darstellt, aber nicht symbolisiert. V. Cd. Psychoanalytischer Prozess und Symbolisierung Ist die Symbolisierungsfunktion des Patienten intakt, kann Freuds klassische Analyse durchgeführt werden, um Unbewusstes mit Hilfe der via regia der Traumdeutung bewusst zu machen (Freud 1900a). Festzuhalten ist, dass Freuds Traumdeutung auf der Symbolinterpretation durch den Analytiker beruhte. Indem der Analytiker nutzte, was ihm spontan einfiel, stellte er seinen Patienten die eigene Psyche zur Verfügung. Heute würde man dieses Verfahren als hochgradig intellektualisiert betrachten, aber es war Freuds Methode, Unbewusstes bewusst zu machen. Heute deuten Analytiker bei Patienten, bei denen der psychische „Konflikt“ das Bild beherrscht, auf der Grundlage der Übertragung und in manchen Fällen auch der Gegenübertragung. Sie arbeiten mit Konstruktionen und Rekonstruktionen, um dem Patienten zu helfen, seine Vergangenheit zu erforschen. Es gibt jedoch Patienten, die dem Modell der klassischen Neurose nicht entsprechen und deren Symbolisierungsprozesse häufig beträchtliche Unzulänglichkeiten aufweisen. Man hat diese Patienten, je nach theoretischem Modell, als psychosomatische Patienten beschrieben (Pariser psychosomatische Schule), als defizitäre Patienten (B. Killingmo 1989), als Patienten mit Beeinträchtigungen infolge der Arbeit des Negativen (A. Green 1972) oder mit narzisstischer Identitätsstörung (R. Roussillon 1999). Diese Autoren betonen, dass mit solchen Patienten analytisch anders als gemäß dem klassischen Modell gearbeitet werden muss. Roussillon (2015) beschreibt die Erwartung – Präkonzeption – dieser Patienten, jemanden zu finden, der ihnen helfen und sie verstehen kann: Das Konzept eines „subjektiven Objekt-Analytikers“ entspricht der Erwartung einer Begegnung mit einer Person, die dem Bedürfnis, aufgenommen zu werden (in einem breiten Sinn), entgegenkommt. Der Wunsch, gehört zu werden, und die unbewussten Niederschriften schmerzvollen Leidens schreiben sich dem Unbewussten des Analytikers ein, der dieser Präkonzeption Körper und Stimme verleiht und auf diese Weise eine subjektivierende Reaktion bekundet.
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