Zurück zum Inhaltsverzeichnis
dynamischen interdisziplinären Blickwinkeln intensiv erforscht worden (Eco 1979, 2004; Kandel 2012). Arnold Modell (1970) ist der Ansicht, dass viele Symbole als unpersönliche Metaphern, als kulturelle Artefakte, zu betrachten seien, deren gemeinsam geteilte Bedeutung auf Konvention oder Mythos zurückgeht. Eine Schlange im Traum kann einen Penis symbolisieren, eine konventionelle Metapher; das Bild einer Schlange kann aber auch etwas völlig anderes darstellen für den Träumenden eine idiosynkratische Bedeutung besitzen. In einem anderen kulturellen Kontext, nämlich im antiken Griechenland, symbolisierten Schlangen nicht den Penis, sondern etwas ganz anderes. Sie waren mit der Heilkunst des Asklepios assoziiert, der sich in traditionellen Darstellungen auf einen Stab, um den sich eine Schlange windet, stützt. Marshall Edelson (1972) wählte einen sprachwissenschaftlichen Ansatz zur Erforschung der Form und Funktion von Symbolen. Seine informativen psycholinguistischen Untersuchungen werfen wichtige Fragen in Bezug auf symbolische Transformationen und Diskursübersetzungen in andere Disziplinen auf. Edelson postuliert eine basale psychische „Symbolisierungsfunktion“ sowie sprachliche Eigenschaften unbewusster Prozesse, was impliziert, dass das Träumen auf Sprache beruht. Julia Kristeva (1984 [1974]; Beardsworth 2004) aus der Psychoanalytischen Gesellschaft Paris ist in Nordamerika mit ihren seit den 1970er Jahren entstandenen Arbeiten über Psycholinguistik, Semiotik und die Geburt der Sprache zunehmend einflussreich. Ihre Arbeit hängt eng mit der oben von Blum erwähnten italienischen intersubjektiv orientierten neuropsychologischen Entwicklungsforschung von Ammaniti und Gallese zusammen (2014) zusammen. In ihren langjährigen psycholinguistischen Studien unterscheidet sie zwischen „semiotischem und symbolischem Funktionieren“. Symbolisches Funktionieren „umfasst [hier] alles, was mit kommunikativem Diskurs zu tun hat, insbesondere Äußerungen mit propositionalem Inhalt, die etwas (zu jemandem) sagen. Die Konzeption des Symbolischen deckt daher das Feld des bedeutsamen Objekts ab, das heißt eine Repräsentation, Idee oder ein Ding.“ Dies unterscheidet Kristeva vom „semiotischen Funktionieren, das die weniger sichtbare Rolle umfasst, die Tonfall, Gestik und Rhythmus für die Bedeutung und die innovativen Fähigkeiten des Subjekts spielt“ (Beardsworth 2004, S. 25). Die Kategorie „das Symbolische“ wurde ursprünglich von Lacan (1966) im Zusammenhang mit seiner Modifizierung der strukturalen Linguistik konzipiert. Kristevas Semiotik bezieht sich auf die Anfänge der Sprache infolge des Einwirkens von Lauten und Rhythmen auf den Embryo im Körper der schwangeren „sprechenden Mutter“. Unter einem interdisziplinären entwicklungspsychologischen Blickwinkel erörtert Kristeva den Nutzen der sprach- und literaturwissenschaftlichen Perspektive
920
Made with FlippingBook - Online magazine maker