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für das Nachdenken über die Rolle der Symbolisierung und die primären psychischen Funktionen, die sie für die menschliche Kommunikation erfüllt. Anna Aragno postuliert Revisionen des Verständnisses künstlerischer Kreativität auf der Grundlage eines biosemiotischen Modells der Psyche und der Kommunikation (Aragno 1997, 2009). Aragnos aktualisiertes Modell, eine hierarchische Konzeptualisierung des psychischen Funktionierens, beruht auf der Annahme eines Kontinuums mikrogenetischer, semiotisch vermittelter Stufen, die heutigen entwicklungspsychologischen und neurobiologischen Erkenntnissen entsprechen, und beschreibt Prozesse, denen die menschlichen Impulse zu kommunizieren, sich auszudrücken, zu repräsentieren, aufzuzeichnen und zu kodifizieren als Antriebskraft dienen. Aragno fokussiert auf funktionelle formale, durch Symbolisierung bewirkte Transformationen. Besonders wichtig ist dabei die Struktur der Traumkonstruktion, die als eine natürliche Schablone für elaboriertere bewusste Hervorbringungen betrachtet wird und für das Individuum ähnliche Funktionen erfüllt wie die Kunst für die Gesellschaft. In ihrem Artikel “Symbolization and Creativity” stellt Susan Deri (1984) eine Erweiterung des Konzepts der Symbolbildung vor und schreibt „dem Inhalt der tiefsten Schichten des nicht-verdrängten Unbewussten eine angeborene, ordnende Gestalt zu. Dieser Prozess […] ist für die Transformation von Primär- in Sekundärvorgänge von zentraler Bedeutung. Daten zu den Akten zu legen ist schwerlich das Ziel des psychischen Lebens. Angestrebt wird vielmehr eine zunehmende Verknüpfung von Daten. Symbole repräsentieren etwas Abwesendes, und sie können therapeutisch bearbeitet oder neu gerahmt werden, weil das Symbol immer ein Kürzel für eine größere Menge an Inhalt ist, die es symbolisiert“ (P. Deri 1990, S. 487). Susan Deri (1974) versteht die Symbolisierung als basale psychische Aktivität, die klinischen Konzepten als Grundlage dient: „Die Entsymbolisierung wird zu einer Art von Verdrängung, durch die eine unnatürliche Verbindungsauflösung [de- articulation] zustande kommt. Die Verleugnung bewirkt dann, dass das Symbol im Vorbewussten vor dem Bewusstsein verborgen wird. Phobien können als gescheiterte Symbolisierungen infolge einer falschen Brücke zwischen Symbol und Symbolisiertem betrachtet werden. Zwangsverhalten kann als Reaktion auf Zeichen statt auf Symbole verstanden werden. […] Deri (1984) betrachtete den Drang zur Symbolbildung als einen Versuch, ‚Ordnung und Verbundenheit in der psychischen Organisation sowie eine Brücke von Innen nach Außen herzustellen‘ (S. 5). […] In höherem Maß als der Konflikt charakterisiert die Transformation, d.h. die Resymbolisierung die Aktivitäten an den Grenzen zwischen den verschiedenen psychischen Strukturen sowie an den Grenzen zwischen den verschiedenen Bewusstseinsebenen“ (P. Deri 1990, S. 488).
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