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VI. C. Multidisziplinäre Therapie von Kindern mit schweren Symbolisierungsdefiziten: „Psychomotorische Therapie mit psychoanalytischer Intervention” Emma Ponce de León Ponce de León (2016) beschreibt die subjektive psychische Konstitution als ein Modell der zwischen zwei Polen stattfindenden Symbolisierung: zwischen dem Körper und einer transformierenden und containenden Beziehung „symbolisierender“ Art. Sie fokussiert auf den Prozess vor der eigentlichen Symbolisierung, d.h. auf die präsymbolische Phase, in der sich primitive repräsentationale Systeme entwickeln und anfängliche Verbindungen zwischen somatischen Registern und dem psychischen Bereich entstehen. Auch wenn die Sprache dem Subjekt vorgängig ist, richtet sich der Fokus auf den Prozess des subjektiven Spracherwerbs. Vor seiner Geburt wird der Fötus von der Mutter containt, und seine intrauterinen Erfahrungen konstituieren das A priori der neuen Beziehung zwischen Baby und Mutter. Wenngleich die konstitutiven Prozesse der Psyche lediglich vermutet werden können, ist bekannt, dass Babys zu Beginn somatische Erregungszustände und Emotionen entwickeln und motorisch abführen. So entstehen Engramme sensorischer, tonischer und emotionaler Wahrnehmungen, eine Form primitiven somato-psychischen Registers, das man als „Körpererinnerungen“ bezeichnen kann. Diese bleiben undifferenziert und können jederzeit abgeführt werden. Vergleichbar sind sie mit den von Freud beschriebenen Wahrnehmungszeichen im Körper. Ponce de León zitiert den Philosophen Maurice Merleau-Ponty (1964), der die „zwischenleibliche Verbindung“ beschrieb, die (aufgrund ihrer symbolisierenden Eigenschaft) somatischer Energie verschiedene Bedeutungen zuschreibt und sie progressiv in psychische Energie umwandelt. Laut Ponce de León lassen die körperlichen Register durch diese „zwischenleibliche Verbindung“ das psychische Register entstehen, wenngleich immer ein Rest übrig bleibt, der die Psyche nicht erreicht. Die zwischenleibliche Verbindung kann die Verknüpfung der Engramme mit den erzeugten Emotionen ermöglichen, doch dies geschieht nicht automatisch. Werden die Emotionen nicht verarbeitet und transformiert, können sie körperlich abgeführt werden. Erhalten Emotionen innerhalb der Verbindung Bedeutung, entsteht eine neue Spirale der Transformation in gemeinsam geteilte Gefühle. Ponce de León versteht die von Monique Pinol-Douriez (1971-72, 1984) beschriebenen „Protorepräsentationen“ als ein Wahrnehmungsamalgam, markiert durch den Affekt, der bei größter körperlicher Nähe erzeugt wird, wenn die taktile über die noch höchst unsichere visuelle Wahrnehmung dominiert. Protorepräsentationen sind amodale Repräsentationen und entstehen in den sensorisch-tonischen emotionalen Interaktionen der Dyade in einem Zustand der somato-psychischen Undifferenziertheit (D. N. Stern 1985). Auf diese ersten Niederschriften verweisen Freuds (1915e) – im
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