Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Wesentlichen visuelle – unbewusste Sachvorstellungen, die im Gegensatz zu den Wortvorstellungen keine Symbole darstellen. Wortvorstellungen tauchen zusammen mit dem repräsentationalen Gedächtnis auf und erklären die Symbolisierung im eigentlichen Sinn. Der von Ponce de León befürwortete psychotherapeutische Ansatz beruht auf der Überlegung, dass die Behandlung einem Weg vom Körper zur Sprache folgen müsse, um Symbolisierungsprozesse fördern zu können. Das heißt, eine Psychomotoriktherapeutin erzeugt in Zusammenarbeit mit einer Psychoanalytikerin ein gemeinsames therapeutisches Feld, das die Ressourcen beider Behandlungsformen miteinander verbindet. Die Bezeichnung „Psychomotorische Therapie mit psychoanalytischer Intervention“ besagt, (1) dass die psychomotorische Therapie und ihr Setting (Raum, Materialien, Körpersprache) wesentlich sind, aber von einer psychoanalytischen Intervention begleitet werden, die der Übertragungsverbindung grundlegende Bedeutung beimisst. Weitere Ziele sind (2) die Unterstützung des Nachdenkens über eine stärkere Einbeziehung der Arbeit mit dem Körper in die psychotherapeutischen Kinderbehandlungen je nach Grad der Beeinträchtigung der Symbolisierungsprozesse; (3) die Untersuchung von Interaktionsformen in der frühen Bindung auf allen Ebenen sowie der in ihnen generierten Symbolisierungsprozesse und (4) der Nachweis des interdisziplinären Gewinns auf theoretischer wie auch klinischer Ebene. VI. D. Affektive Neurowissenschaft und Neuropsychoanalyse der Entwicklung VI. Da. Dynamisches Unbewusstes und Symbolik des Primärvorgangs Shevrin, Williams, Marshall et al. (1992, 1996) veröffentlichten die erste bekannte neurowissenschaftliche Untersuchung des dynamischen Unbewussten. Dabei dienten die Gehirnreaktionen in Form ereigniskorrelierter Potenziale als neurophysiologische Marker unbewusster Konflikte in einer Gruppe von Patienten mit Sozialphobie. Shevrin et al. (2002) korrelierten die Reaktionen auf subliminal und „supraliminal“ präsentierte Wortgruppen mit einer Messung der „Repressivität“ und stellten fest, dass der Verdrängungsprozess Reaktionen auf Wörter hemmte, von denen Analytiker annahmen, dass sie für die jeweiligen Patienten eine konfliktbesetzte Bedeutung hatten (S. 136). Eine Reihe von Untersuchungen der nun so bezeichneten Shevrin-Gruppe für subliminale Wahrnehmungsstudien (Brakel, Kleinsorge, Snodgrass & Shevrin 2000) erforschte mit Hilfe physiologischer Marker Phänomene, die mit der psychischen Aktivität von Primär- und Sekundärvorgängen zusammenhängen, z.B. unbewussten Konflikt, Affekt, Abwehr sowie attributionale vs. relationale Beschaffenheit dieser beiden Verarbeitungsmodi.

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