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Villa, Shevrin, Snodgrass, Bazan und Brakel (2006) fokussierten auf die Art und Weise der Sprachverarbeitung im Unbewussten. Ihre Ergebnisse werfen Licht auf die Bedeutsamkeit einer konnektionistischen Konzipierung der Aktivierungsausbreitung [spreading activation], der neurophysiologischen Entsprechung einer freudianischen „ungebundenen Besetzung“, die für die Primärvorgänge und die Symbolik charakteristisch ist. Die Forscher stellten fest, dass gebundene und ungebundene Besetzung eng mit dem Status von Motivation und Abwehr zusammenhingen, ein Fund, der mit dem klassischen psychoanalytischen Verständnis des Primärvorgangs vergleichbar ist, der konnektionistischen Erklärung aber widerspricht. Je instinkthafter und „triebähnlicher“ eine Motivation war, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Aktivierungsausbreitung oder ungebundene Besetzungen vermittelte. Je stärker die Abwehr versagte und je größer die Angst wurde, desto dominanter wurden die ungebundenen Besetzungen. Die jüngeren Studien (Bazan et al. 2013) fokussierten auf die Sprachverarbeitung im Unbewussten und gingen von der Hypothese aus, dass Wörter als Wahrnehmungsstimuli behandelt und auf eine bidirektionale Weise verarbeitet werden können. Auf der Grundlage ihrer (mit Freuds Definition des primärprozesshaften Geschehens vereinbaren) Erkenntnisse postulierten die Forscher, dass neue und kreative Abfolgen sprachlicher Einheiten (das Wort wird als Wahrnehmungsobjekt behandelt) in der unbewussten kognitiven Verarbeitung dominierten und diese neue Abfolge potenziell zu Ambiguität, Verdichtung, Verschiebung und unbewusster Symbolisierung beiträgt. Die Ergebnisse der Shevrin-Gruppe bestätigen den qualitativen Unterschied zwischen dem Geschehen in Primär- und Sekundärprozessen und der Symbolisierung. VI. Db. Nicht verdrängtes Unbewusstes, implizites Gedächtnis und präsymbolischer Bereich Die Entdeckung des impliziten Gedächtnisses durch Warrington and Weiskrantz (1974) hat das Konzept des Unbewussten erweitert und die Hypothese ermöglicht, dass sämtliche frühkindlichen Erfahrungen der ersten beiden Lebensjahre in dieser Art von Gedächtnis gespeichert werden, das der emotionsverarbeitenden Amygdala gehorcht. Der Hippocampus, der die Verdrängungsprozesse und das explizite Gedächtnissystem vermittelt, ist vor Ende des zweiten Lebensjahres noch nicht vollständig entwickelt. Andere Autoren (Bucci 1994) identifizieren als den für das früheste nonverbale, präsymbolische Erfahrungssystem spezifischen Verarbeitungsmodus die parallel- verteilte Verarbeitung konnektionistischer subsymbolischer Modelle nicht diskreter Kategorien, die kontinuierlich die Verarbeitung der viszeralen, somatischen und motorischen Funktionen berechnet, bzw. das „skalenfreie Netzwerk“, das durch nodale
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