Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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könnten der Mechanismus sein, der diese breite Variabilität erklärt. Die neuroanatomischen Lokalisationen des repräsentationalen Raumes, in dem diese laufende Reprozessierung und Integration äußerer und innerer Stimuli stattfindet, breiten sich in die komplexen Assoziationsnetzwerke des Gehirns einschließlich des präfrontalen Kortex und des Systems der Spiegelneuronen aus. Die neuralen Grundlagen der Fähigkeit, zwischen Selbst und Anderem in Anwesenheit gemeinsamer, durch das System der Spiegelneuronen vermittelter Repräsentationen zu differenzieren und die Tendenz zur automatischen Nachahmungsreaktion, die mit diesen gemeinsamen Repräsentationen assoziiert ist, zu hemmen, wird weiterhin erforscht (Bien, Roebroeck, Goebel, & Sack, 2009; Brass, Ruby, & Spengler, 2009). VI. Dc. Repräsentational-symbolische Systeme bei Panik- und Angststörungen Hirnbildgebende Studien über Patienten mit Panik- und anderen emotionalen Regulationsstörungen zeigen, dass die subkortikale Aktivierung gegenüber der kortikalen erhöht ist ( Busch, Oquendo, Sullivan, & Sandberg 2010 ). Somatische und affektive Elemente werden auf einer limbischen Ebene generiert und durch verbale oder symbolische Repräsentation zunehmend kortikalisiert. Die geschärfte bewusste Wahrnehmung und Identifizierung von Affekten und Körperzuständen ermöglicht es Patienten, Kontrollmechanismen des präfrontalen Kortex zu aktivieren, um das limbische System und Affektzustände zu regulieren. Effektive psychotherapeutische Behandlungen von Panikstörungen sind mit einer Reduzierung der subkortikalen Aktivität gegenüber der präfrontalen und kortikalen Aktivität in Verbindung gebracht worden. Vor einigen Jahren haben Sandberg und Busch (2014) die Focused- Psychodynamic Psychotherapy (PFPP) für Panikpatienten entwickelt, die gewöhnlich nicht imstande sind, Körpererleben und körperliche Symptome als Repräsentationen oder Symbole affektiver Zustände zu identifizieren. Sie lokalisieren die empfundene Gefahr, eine drohende Katastrophe, nicht in der Psyche, sondern in ihrem Körper. Dieses subjektive Erleben verweist auf defizitäres Symbolisieren, einen sub- symbolischen, nicht repräsentierten Zustand. Therapeut und Patient übersetzen gemeinsam somatische Symptome in mentalisierten symbolischen und verbalen Inhalt. Dies geschieht teils durch die Arbeit mit Assoziationen zu körperlichen Zuständen und Symptomen, um ihre spezifische Bedeutung zu identifizieren, und teils durch die Verbindung dissoziierter traumatischer Zustände, die als somatische Körpererinnerungen verinnerlicht wurden.

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