Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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VII. SCHLUSSFOLGERUNG

In theoretischen, entwicklungspsychologischen und klinischen Konzeptualisierungen zahlreicher Symbolisierungsfacetten die Mannigfaltigkeit all der beteiligten Prozesse sowie der Notwendigkeit an, die Funktion des frühen (und in der analytischen Situation des gegenwärtigen) Objekts, Bindung und Symbolisierung zu unterstützen, in einem komplexen Zusammenspiel mit der unbewussten intrapsychischen Symbolisierung und Repräsentation zu verbinden. Nordamerika erkennen die zeitgenössischen Zu den Beispielen zeitgenössischer multi-dimensionaler theoretisch-klinischer Studien über die Symbolisierung zählen Revisionen der symbolischen Repräsentation der Kastration durch beide Geschlechter, spezifische Konzeptualisierungen traumatischer Veränderungen der Symbolisierungsfähigkeit, die Psychose als Entsymbolisierung, Untersuchungen des nicht verdrängten Unbewussten als Erzeuger komplexer symbolischer Systeme und Botschaften sowie die Erweiterung des klinischen psychoanalytischen Instrumentariums für die Unterstützung der Entwicklung von senso-motorischen und viszeralen Registern hin zur Symbolbildung. Ungeachtet der jeweiligen theoretischen Orientierung betonen alle psychoanalytischen Schulen zunehmend den frühesten oder regressiv/traumatisch veränderten protosymbolischen, sub- oder präsymbolischen und nicht-symbolischen Bereich . Damit einher geht eine Neubeurteilung im Kontext der deutenden und nicht- deutenden Beteiligung des Analytikers einschließlich Gegenübertragungsagieren, Holding, Containing und/oder transformierend-deutende Verfahren. Insoweit die Betonung darauf liegt, diese Dimension in den Deutungsdiskurs einzubeziehen, konstituiert dies eine Erweiterung der intrapsychischen symbolbildenden Prozesse. Die Art und Weise, wie dieser präsymbolische oder nicht-symbolische Erfahrungsbereich in den analytischen Prozess einbezogen und transformativ analytisch bearbeitet wird, ist ein Thema anhaltender Diskussion und Forschung. In Europa war das Thema Symbol und Symbolbildung seit Freuds ersten Definitionen des Begriffs allgegenwärtig. Der Begriff „Symbolik“ bezeichnet die Art und Weise der Darstellung des symbolisierten Gegenstandes / der symbolisierten Person, während als „Symbolisierung“ der Prozess der Bedeutungsstiftung durch Herstellung einer Verbindung zwischen symbolischer Darstellung und Symbolisiertem bezeichnet wird. Es besteht allgemein Einigkeit darüber, dass die Existenz eines Symbols seine Getrenntheit und seine Unterscheidung von dem Gegenstand / dem Objekt voraussetzt, der/das symbolisiert wird. In den europäischen psychoanalytischen Denkschulen wird die Symbolisierung als ein defensiver, aber auch als ein kreativer Prozess beschrieben, der die Erforschung der inneren und äußeren Realität ermöglicht und die Wiedergutmachungsfähigkeit und letztlich die Sublimierung unterstützt. Somit steht das Symbol für innere Konflikte wie

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