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auch für neue Ideen und neue Verbindungen, während es gleichzeitig Separations- und Individuationsprozesse fördert. Eine Unfähigkeit zu symbolisieren gibt eine gravierende Psychopathologie und Entwicklungsdefizite zu erkennen, die in der Folge zu Hemmungen des allgemeinen Funktionierens und der kreativen Fähigkeiten führen. Es wurden unterschiedliche Symbolisierungsebenen (oder Grade des Übergangs zwischen dem Objekt und seiner Repräsentation/Substitution) beschrieben – von einer konkretistischen symbolischen Repräsentation, der symbolischen Gleichsetzung, über Bilder und Ideogramme (Wahrnehmungsrepräsentation) bis zu komplexen verbalen Gedanken und Konzeptualisierungen sowie Kunstwerken. In jüngerer Zeit lag die Betonung vor allem auf den Fähigkeiten zu träumen, zu spielen und zu symbolisieren, die man für wichtiger hält als die Symbole an sich – insbesondere die hochabstrakten Symbole. Symbolisierungsprozesse hängen eng mit Differenzierungen zusammen: zwischen Ich und der/dem Anderen, zwischen Bewusstem und Unbewusstem, zwischen innerer und äußerer Realität. Unumstrittene Bedeutung wird mittlerweile auch dem interpersonalen/relationalen Kontext der Entwicklung von Symbolen und der Fähigkeit, durch Verknüpfung/Verbindung und Transformation zu symbolisieren, beigemessen. Auch wenn Symbol und Symbolisierung generell in engem Zusammenhang mit dem psychischen Geschehen und der Struktur der Psyche gesehen werden, sind je nach psychoanalytischer Tradition unterschiedliche Betonungen zu beobachten, denn die Symbolisierung wird entweder als ein Prozess verstanden, der die weitere psychische Entwicklung ermöglicht, oder aber als eine Entwicklungserrungenschaft. Ein Modell, das sich davon deutlich unterscheidet, wurde von Lacan und seinen Schülern konzipiert. Sie nehmen an, dass dem Ich die symbolische Ordnung der Außenwelt auferlegt wird und nicht umgekehrt. In Lateinamerika betrachtet man die Symbolisierung als einen komplexen, mit der Subjektwerdung des Menschen verflochtenen Prozess. Erforscht wurde er hier unter vier verschiedenen Blickwinkeln: a) aus der – wie von Freud konzipierten – Perspektive einer angeborenen Fähigkeit und eines phylogenetisch erworbenen Merkmals des „Symbolischen“ ; aus der objektbeziehungstheoretischen Perspektive, wonach die/der Andere (Mutter/Vater) für das Erreichen von Subjektwerdung und Symbolisierung eine wesentliche Rolle spielt; c) aus der Perspektive der Theorie von Verbindungen: die mit neuen Objekten hergestellten Verbindungen ermöglichen Bedeutungswandel und die Niederschrift des „Neuen“; d) aus der Perspektive der sozialen und kulturellen – bereits bestehenden – „symbolischen Ordnung“, in die der Mensch hineingeboren wird. Die Struktur des Ödipuskomplexes liegt dem Symbolisierungsprozess zugrunde; d.h., basal sind eine psychische Organisation mit einer Triangulierung der Objekte, die Einsetzung der Verdrängung und eine innere Trennung zwischen Bewusstem, Vorbewusstem und Unbewusstem. Unterstützt durch diese psychische
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