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Organisation, setzt sich der Symbolisierungsprozess lebenslang fort. In den Phasen vor Etablierung der ödipalen Organisation ist es wichtig, zwischen der normalen präsymbolischen Entwicklung und frühen Beeinträchtigungen des Symbolisierungsprozesses zu unterscheiden. Bei gravierenden Unzulänglichkeiten dieses Prozesses herrschen Pathologien vor, denen ein Defizit zugrunde liegt. Diese Patienten brauchen von ihrem Analytiker etwas anderes: Er muss das Ungeformte, Unausgereifte, das nicht repräsentiert und nicht benannt werden kann, containen und die Gefühle und Sensationen, die der Patient nicht empfinden oder wahrnehmen kann, selbst erleben, um Darstellung, Repräsentation, Benennung einzuleiten und dem Patienten zu ermöglichen, diese Gefühle und Sensationen als seine eigenen anzuerkennen. Anders formuliert: Der Patient braucht einen Psychoanalytiker, der ihm seine eigene Symbolisierungsfähigkeit zur Verfügung stellt. Das Setting spielt eine wesentliche Rolle, damit der Analytiker diese Funktion erfüllen kann. Eine „hinreichend gute Analyse“ versetzt den Patienten in die Lage, die analytische Raum-Funktion-Beziehung zu internalisieren, um seine eigene Lebensgeschichte a posteriori in Worte zu fassen und neu zu definieren und auf diese Weise zu konstruieren oder neu aufzubauen. Lateinamerikanische psychoanalytische Theorien betonen die Verbindungen zwischen der durch das phylogenetisch erworbene Symbol repräsentierten Vergangenheit und der Gegenwart, in der die psychische Entwicklung der Kinder in dem kulturellen Kontext verstanden wird, in dem sie sich vollzieht. In der zeitlich- kulturellen Dimension betrachtet, gelangt der Symbolisierungsprozess an kein Ende: Es finden Resymbolisierungen statt, neue Symbole werden kreiert, und in Reaktion darauf ist die Sprache in ständiger Entwicklung begriffen. Das Interesse in den verschiedenen Regionen mündete in die intensive Erforschung der verschiedenen Schritte in der Entwicklung der Fähigkeit, zu repräsentieren und zu symbolisieren und die unbewusste Symbolisierung zu reaktivieren und zu erweitern. Die komplexen zeitgenössischen Übereinstimmungen und Divergenzen, die fortgesetzten Debatten, Kontroversen und Studien konzentrieren sich auf die früheste oder regressiv-traumatisch veränderte Entwicklung des Bereichs, der als präsymbolisch, nicht-symbolisch oder partiell symbolisch konzeptualisiert wird, und auf die Art und Weise, wie er ins psychoanalytische Setting und in den analytischen Prozess einbezogen werden kann, um Symbolisierung, Subjektwerdung, innere psychische Strukturbildung, die Welt der Selbst- und Objektrepräsentanzen und, damit einhergehend, Sublimierung und intime Bindungen zu den Anderen zu fördern, um die kulturelle Erfahrung des kreativen Lebens zu intensivieren.
Siehe auch CONTAINMENT: CONTAINER-CONTAINED TRIEB(E)
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