IHK-Global Business Ausgabe 03/2022

ASIEN-PAZIFIK

CHINA Herausforderungen

Australiens Küste bietet beste Bedingungen fürWindenergie. Ein neues Gesetz löste nun einen Investitionsboom in Offshore-Wind - park-Projekte aus.

Taiwan avancierte im vergangenen Jahr zumwichtigstenBinde- glied der internatio- nalen Lieferketten im Halbleiterbereich. Geschätzte zwei Drit- tel der globalen Auf- tragsfertigung von Halbleitern stammt aus Taiwan.

für deutsche Unternehmen nehmen zu

Die Vorzugsbehandlung heimischer Wettbewerber vor dem Hintergrund einer politi- schen Fokussierung der chinesi- schen Wirtschaft auf sich selbst („Self-Reliance“), ist zur größten regulatorischen Herausforderung aufgestiegen. In der Geschäfts- klima-Umfrage der AHK Greater China und der KPMG AG gibt mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen in China an, dass es gegenüber heimischen Unterneh- men benachteiligt werde – das ist eine dramatische Verschlechte- rung innerhalb nur eines Jahres. Bei der gleichen Umfrage im Jahr 2020 hatten nur 20 Prozent der Unternehmen diese Aussage getroffen. Als Reaktion auf die Anforde- rung des Marktes, zunehmende Entkopplungstendenzen sowie weiter anhaltende Reiserestrik- tionen lokalisieren deutsche Unternehmen zunehmend in China. Dennoch besteht das Ver- trauen in den Wachstumsmarkt China fort. So konnten 2021 fast 60 Prozent der deutschen Unternehmen in China bessere Geschäfte verzeichnen und für 2022 erwarten über die Hälfte der Unternehmen eine Verbes- serung der Entwicklung in ihrer Industrie in China. Während sich die Umsätze robust entwickeln, drücken jedoch steigende Roh- stoff- und Energiepreise auf die Ergebnissituation. AHK/IHK Weitere Ergebnisse und die komplette Studie „German Business in China: Business Confidence Survey 2021/2022“ zum Download finden Sie auf unserer Website:

Australiens. Hinter dem Vorhaben steht der bekannte Infrastrukturfonds Copenhagen Infrastructure Partners, wel- cher bereits 2025 mit dem Bau beginnen könnte. Die Entwickler wollen sich einen entscheidenden Vorteil Australiens zu Nutze machen. Rund 80 Prozent der Bevölke- rung lebt an der Ostküste des Landes. Anders als beispiels- weise in Deutschland muss Offshore-Windenergie nicht erst über weite Strecken ins Landesinnere transportiert werden. Nicht immer sind die Vor- aussetzungen so ideal wie in Bezug auf die Windbedingun- gen. Entlang der rund 34.000 Kilometer langen Küste Australiens fällt der Meeres- boden an vielen Stellen recht steil ab. Mehrere Entwickler setzen deshalb auf schwim- mende Fundamente (Floating Offshore Wind Energy). Zu den in Down Under aktiven Floating-Pionieren zählt das Unternehmen Flotation Energy mit seinem Seadragon-Projekt (1,5 Giagwatt). Die spanische BlueFloat Energy verfolgt drei schwimmende Windparks mit einer Gesamtleistung von 4,3 Gigawatt. Im Jahresverlauf 2022 will das Unternehmen weitere Projekte vorstellen. Auch Oceanex Energy setzt bei seinen vier Projekten an der Ostküste auf die Floating-Tech- nologie. GTAI/IHK

TAIWAN Attraktiver Alternativmarkt Taiwan ist mit rund 23 Millio- nen Einwohnern ein relativ kleiner Markt, flächenmäßig in

AUSTRALIEN Startschuss für Offshore-Windkraft

künstlicher Intelligenz und Digitalisie- rung zu verstärkten Forschungsaktivi- täten vor allem im Halbleitersegment geführt. Der Chiphersteller TSMC hat in der Auftragsfertigung einen Markt- anteil von 55 Prozent. Doch der Bedarf an Halbleiterequipment kann nur zu einem Bruchteil von der lokalen Produktion bedient werden. 2022 wird Taiwan nach Südkorea der zweitgrößte Nachfrager für Halbleiterausrüstung sein. Das birgt Geschäftschancen für deutsche Lieferanten. Im Schlepptau des Chip-Booms in Taiwan können Firmen entlang der gesamten Lieferkette profitieren. Die künftige Weiterentwicklung der Chips in Richtung immer kleinerer Einheiten bringt enorm hohe Anforderungen an die Reinheit der Produktionspro- zesse. Ebenso sehen Experten einen deutlichen Trend hin zur Nutzung von intelligenten Fabriken („Industrie 4.0“) sowie Automatisierungstechno- logie. Der steigende Stromverbrauch dürfte wiederum die Nachfrage nach Maßnahmen im Bereich Energie- effizienz ankurbeln. Gleiches gilt für Recyclingmethoden, um den enormen Wasserverbrauch in der Industrie zu reduzieren. Die Thematik ESG (Environmental, social and corporate governance) wird nicht nur bei den Halbleiterherstel- lern stärker an Bedeutung gewinnen. Taiwan möchte bis 2050 klimaneutral werden. GTAI/IHK

etwa so groß wie Baden-Württemberg. Dennoch ist die Insel der fünftgrößte Handelspartner Deutschlands in Asien, mit zunehmender Bedeutung aufgrund seiner starken Elektronikindustrie. Die industrielle Basis ist breit aufgestellt und umfasst unter anderem Stahl, Chemie, Metallverarbeitung, techni- sche Textilien und Kfz-Teile. Die größte Stärke besteht jedoch in der Produktion von elektronischen Bauteilen und Enderzeugnissen. Hier sind taiwani- sche Unternehmen überwiegend als Original Equipment Manufacturer (OEM) oder Original Design Manufac- turer (ODM) in den globalen Lieferket- ten verankert. Grundsätzlich bietet die Insel ein attraktives Standortpaket. So nutzen viele globale Firmen Taiwan als Hub für Forschungs- und Entwicklungs- aktivitäten. Auch für deutsche Firmen gewinnt der Forschungsstandort Taiwan an Bedeutung. Das Ausbildungsniveau ist sehr hoch bei gleichzeitig moderaten Löhnen im regionalen Vergleich. Zudem ziehen eine hervorragend ausgebaute Infrastruktur, eine gute Zahlungsmoral, verlässliche rechtliche Rahmenbedin- gungen und ein vergleichsweise hoher Patentschutz Investoren an. In jüngerer Vergangenheit hat die verstärkte Nachfrage nach Produkten aus Sektoren wie 5G-Kommunikation,

Australien steht vor einer großen Investi- tionswelle im Bereich

Bedingungen für Offshore- Windkraft in Down Under sind ausgezeichnet. In der windreichen Bass-Strait-Meer- enge zwischen dem austra- lischen Festland und der weiter südlich gelegenen Insel Tasmanien betragen die durch- schnittlichen Windgeschwin- digkeiten beispielsweise 9 bis 10 Meter pro Sekunde. Auch die Bundesstaaten New South Wales und Western Australia verfügen über hervorragende Standorte. Nach einer Studie des Blue Economy Cooperative Re- search Center beläuft sich das gesamte technisch erschließ- bare Windkraftpotenzial vor der australischen Küste auf insgesamt etwa 2.200 Giga- watt. Am weitesten fortgeschrit- ten sind die Planungen für den Star of the South Windpark in Victoria. Mit einer geplanten Leistung von 2,2 Gigawatt ist dieser auch das derzeit größte Offshore-Windprojekt

Offshore-Windkraft. Auslöser ist eine neue Gesetzgebung namens Offshore Electricity Infrastructure Bill, die Ende November 2021 vom Parla- ment in Canberra verabschie- det wurde. Diese schafft erstmals einen verbindlichen und verlässlichen Rechtsrahmen für den Bau von Windturbinen auf hoher See. Erfasst werden geplante Anlagen, die mindestens drei nautische Meilen vom Festland entfernt liegen. Küstennähere Gebiete fallen in Australien unter die Jurisdiktion der ein- zelnen Bundesstaaten. Für ins- gesamt 17 Vorhaben mit einer Erzeugungsleistung von rund 23 Gigawatt laufen bereits die Planungen. Dabei konzentrie- ren sich 14 Vorhaben auf die Ostküste des Landes. Zahlreiche weitere Projekte dürften in den kommenden Jahren folgen, denn die

2.200 GIGAWATT

ist das Windkraft- potenzial vor der australischen Küste.

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