Handbuch Bauen und Wohnen 2026

Holzmassivbau Die Holz-Massivbauweise umfasst Baukonstruktionen, bei denen kei- ne Trennung zwischen tragender und raumabschließender Funktion existiert. Tragwerk und vollflächi- ger Raumabschluss sind identisch. Die ursprüngliche Form dieser Bau- weise mit Holz ist der Blockbau – grob bearbeitete Rund- oder Kant- hölzer ergeben übereinander ge- stapelt Wände. Heute wird übli- cherweise zusätzlich Wärmedäm- mung aufgebracht. Die moderne Weiterentwicklung der Blockbau- weise ist die Brettsperrholz- und Brettstapelbauweise: Einzelne Bret- ter werden durch Verkleben, mit Drahtstiften oder mit Holzdübeln kreuzlagig zu flächigen Elementen verbunden. Komplette Wände und Decken können vorgefertigt werden. Durch den hohlraumarmen Aufbau entsteht ein ausgeglichener Feuch­ tehaushalt, die Wärmespeicherung wird optimiert. Durch die statische Scheibenwir- kung dieser Platten ergeben sich neue konstruktive und damit auch gestalterische Möglichkeiten. Niedrigenergiehaus – Passivhaus Der Begriff des Niedrigenergie- oder Passivhauses bezieht sich nicht auf das verwendete Bauma- terial, sondern steht in Zusammen- hang mit der Gebäudehüllenform und -dämmqualität und dem dar- aus resultierenden Heizwärmebe- darf. Ein Gebäude mit einem spe- zifischen Heizwärmebedarf von unter 35 kWh/m²a (Kilowattstun - den pro Quadratmeter Wohnnutz- fläche und Jahr) wird als Niedrig- energiehaus eingestuft, ein Wert von 15 kWh/m²a oder weniger ist für ein Passivhaus erforderlich. Durch die ausgezeichneten Wär- medämm- und Wärmespeicher­ eigenschaften von Holz in Verbin- dung mit der meist zwischen der tragenden Struktur angebrachten Wärmedämmung ist es beim mo- dernen Holzbau fast ohne zusätz- lichen Aufwand möglich, Niedrig­ energiehausstandard zu erreichen. Abbildung links: 4,2 m auskragen­ de OG-Gebäudekante. Die schraub­ pressverleimte Massivholzdecke wurde an einer Fachwerkkonstruk- tion aus Brettschichtholzgurten und einer Stahlstrebe als Zugglied vom Dach her aufhängt. Fotos linke Seite: Lukas Schaller

99

Abbildung oben und Seite 82 (kleines Bild): Ein „Nurholzbau” einfachster Art mit beeindruckender Weiterführung der Holzverwendung im Hausin- neren. „Ein Projekt mit Witz und Charme, in dem der Bauherr spürbar gut aufgehoben lebt und arbeitet”, so die Jury-Begründung für die Ver- leihung des Salzburger Holzbaupreises 2019, Kategorie Wohnbau. Pla- nung: lp architektur Tom Lechner, Foto: Volker Wortmeyer.

Made with FlippingBook Digital Proposal Creator