Handbuch Bauen und Wohnen 2026

Hausbau

Gebäudehülle Dach

n Kunststoff oder Dachpappe für alle Dachneigungen n Holzschindeln für Steildächer als die traditionelle heimische Dachdeckung. Diese Deckung ist bei Verwendung von handgespal- tenen Schindeln bis zu hundert Jahre haltbar. Die Abdeckung muss Widerstand gegen Flugfeuer, strahlende Wärme und Feuchtigkeit bieten und blen- dungsfrei sein. An Dachöffnungen sind übrigens die gleichen Anforde­ rungen gestellt, außerdem müssen sie verschließbar hergestellt wer- den (ausgenommen Lüftungsöff­ nungen) und von den Grenzen des Bauplatzes sowie anderen Bauten, an die sie auf dem Bauplatz her­ angebaut werden, mindestens 1 m entfernt sein. Primär gelten aber die Distanzvorgaben der Bestim­ mungen über die Lage der Bauten am Bauplatz. Auf den Dächern sind Vorrich­ tungen anzubringen, die das Ab­ rutschen des Schnees oder des lose gewordenen Deckmaterials mög- lichst verhindern, sofern dies die Sicherheit erfordert. Dachständer, Antennen, Blitzschutzeinrichtungen und dergleichen sind so anzubrin- gen, dass den Belangen des Orts­ bildschutzes Rechnung getragen wird und eine Überprüfung oder Instandsetzung ohne besondere Schwierigkeiten möglich ist. Glasdächer und Oberlichten sind so anzulegen, dass sie zur Reini- gung und Instandsetzung tunlichst ohne Gefahr erreicht werden kön- nen. Glasdächer und Oberlichten müssen Sicherheitsglas aufweisen oder mit Schutzvorrichtungen ge- gen das Herabfallen von Glasstü- cken ausgestattet sein. Dächer und Zugänge sind so auszuführen und zu erhalten, dass die Kehrtä­ tigkeit des Rauchfangkehrers ohne Behinderung möglich ist. Bei Dä­ chern, von denen Niederschlags­ wässer auf Verkehrsflächen gelan - gen können sind Dachrinnen und Ablaufrohre anzubringen.

n Geschmack: Neben dem funktio- nalen Aspekt stellt sich die Fra- ge der Ästhetik. Form und auch Farbe des Daches sollen einer- seits zum Haus passen und an- dererseits auch mit der Umge­ bung harmonieren. Die Zimmer­ leute früherer Zeiten befolgten tradierte Proportionsregeln zwischen Dachbreite, Höhe und Neigungslänge; Resultate waren Dachneigungen etwa von 37° oder 41°, nie aber das steril- moderne Mittelmaß von 45°. n Baubehörde: Was „harmonisch” ist, wird von der Baubehörde bzw. den Festlegungen der Be- bauungspläne mitbestimmt. n Technik: Der Dachstuhl ist eine tragende Konstruktion, die gro- ßen Belastungen standhalten muss: Die professionelle Arbeit von Zimmerleuten ist hier unab­ kömmlich. Flach- und Steildächer Grundsätzlich liegt bei 37° Nei- gung die Grenze zwischen Flach- und Steildächern. Flachdächer sind architektonisch reizvoll. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo die Wasserabdichtung bei flache - ren Dächern bautechnisch nicht zu lösen war, stellt dies heute kein Problem mehr dar. Höhere Kosten eines Flachdaches stehen die bes- seren Nutzungsmöglichkeiten des Dachraumangebotes gegenüber. Kalt- und Warmdächer Das Steildach wurde traditionell als Kaltdach ausgeführt. „Kalt” deshalb, weil die Innen- und Außentemperatur (im Winter also kalt) mit Hinterlüftung der Dach­ decke und Durchlüftung des Dach­ bodens annähernd gleich gehalten wird. Dadurch vermeidet man Kon­ denswasser und Eisbildung, allfäl- lige schadhafte Dachziegel können schnell entdeckt werden. Der Dachraum wird beim Kaltdach über Zu- und Abluftöffnungen an der Traufe und im Firstbereich, nach Möglichkeit auch quer durch Öffnungen in den Giebelwänden,

belüftet. Die Abluftöffnungen (ca. 1/500 der Dachfläche) sind etwas größer als die Zuluftöffnungen (ca. 1/600 der Dachfläche), abhängig auch von der gewählten Deckungs­ art. Alle Öffnungen sind mit Git­ ternetzen vor Vögeln und Insekten gesichert. Ein Unterdach, bestehend aus ei- ner Vollschalung samt Isolierbahn oder Unterspanntafeln, schützt vor Eisrückstau und Flugschnee. Benötigt wird es daher für Dach- ausbauten in exponierten Lagen oder bei Unterschreitung der für die gewählte Dachdeckung erfor- derlichen Dachneigung. Beim Warmdach sind unter dem Dach meistens Wohnräume unter­ gebracht; das Dach muss daher nicht nur gegen Kälte, Regenwas- ser und Dampf, sondern auch (und vor allem) gegen die sommerliche Sonneneinstrahlung entsprechend isoliert werden, um Überhitzung zu vermeiden. Der Dachstuhl ist derjenige Teil des Wohnhausbaus, wo Holz als kons- truktives Element praktisch unan- gefochten die Alleinherrschaft be- hauptet hat. Bei der Dachdeckung steht ein vielfältiges Angebot an Materiali- en zur Auswahl: n der naturnahe und altbekann- te Tondachziegel mit seiner be- lebten Oberfläche und vielen Farbtönen von gelblich-rot bis braun-violett. In der Regel wer- den Dachziegel schuppenartig auf Latten befestigt, der hohe Fugenanteil bewirkt eine gute Durchlüftung n der dem Tonziegel nachempfun- dene Betondachstein mit einer breiten Farbpalette n Aluminiumdachschindeln mit verschiedenen Farbbeschich­ tungen n Metall: verzinkte, gestrichene Eisen- und Kupferbleche, bei- de vor allem im städtischen Be­ reich n Faserzement-Dachschindeln oder -Wellplatten

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