Handbuch Bauen und Wohnen 2026

Mehr Wohnraum

Großprojekt „Gnice“ mit Erdwärme- und Abwassernutzung

16

FOTOS (2): LUKAS HAUSLEITNER

Größte Wohnanlage der Gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Heimat Österreich im Bundesland ever. In Sachen Haustechnik wird auf die Um- weltwärme zugegriffen, wo immer man ihrer habhaft werden konnte.

Abb. oben und rechts: Im Dezem- ber 2024 wurde der 125.000-Liter- Wassertank eingehoben. trägt ca. 20 °C und stellt bei die­ ser Wohnanlage mit ca. 75.000 Li­ tern Abwasser pro Tag ein enormes Energiepotenzial dar. Das Abwas­ ser wird in zwei Sammelschächten gefiltert und über einen speziellen Plattenwärmetauscher und mittels Sole-Wasser-Wärmepumpen auf ca. 5 °C „entwärmt“ und anschlie­ ßend in die öffentliche Kanalisa­ tion geleitet. Die Feststoffe im Abwasserfilter werden einmal am Tag rückgespült und so der Filter gereinigt. Das System wird über ein Online- Monitoring ständig überwacht wer­ den, Störungen sind behoben, noch bevor sich negative Auswirkungen bemerkbar machen könnten. Abb. links: 10.000 m 2 Erdwärme- register unter den Gebäuden sam- meln Erdwärme im Winter und Erdkühle im Sommer. Abb. unten: Wohnraumtemperierung über Was­ serschläuche in den Betondecken.

Ca. 60 % des thermischen Gesamt­ energiebedarfs der Wohnanlage stammen aus der Geothermie. Mit diesem Wassersammelsystem über die Erdregister lassen sich die Gebäude im Sommer mit ge­ ringem Energieaufwand für die Umwälzpumpe auf moderate und angenehme Weise kühlen (Free- Cooling), Klimageräte sind nicht vonnöten. Großes Abwasserpotenzial Ca. 40 % des Energiebedarfs kom­ men aus einer dritten erneuerba­ ren Energiequelle, nämlich dem laufend anfallenden Abwasser aus Küche, Bad und WC. Die mittlere jährliche Abwassertemperatur be­

Unter den Bodenplatten der 17 Ge­ bäude wurden großflächig Erdwär ­ meregister verlegt, über welche die Quellenergie für die Heizung entnommen wird. Diese Umwelt­ wärme wird mittels Wärmepumpen auf eine Vorlauftemperatur von ca. 35 °C zur Wohnraumerwärmung über eine thermische Bauteilakti­ vierung (Geschoßdecken) gebracht. Für die dezentrale hygienische Trink- wassererwärmung in den einzelnen Wohnungen wird die Temperatur auf ca. 50 °C gebracht. Der für den Wärmepumpenbetrieb benötige Strom kommt – bilanziell gesehen – von ausreichend vielen Photovoltaik-Modulen mit einer Spitzenleistung von ca. 500 kWp.

FOTOS (2): BERTRAM ORTNER

Made with FlippingBook Digital Proposal Creator