BA_KW36_2021

24 Birsfelder Anzeiger

Freitag, 10. September 2021 – Nr. 36

Gemeinde-Nachrichten

Die Wasserversorgung Birsfelden imWandel der Zeit – Teil 3

Über die Entstehung der Birs- felder Trinkwasserversorgung und des über 120-jährigen Re- servoirs sowie dessen Zweck und Aufgaben konnten Sie be- reits in früheren Ausgaben le- sen. Wie steht es denn nun um dieses historische Bauwerk und in welchem Zustand befindet es sich? Das Trinkwasserreservoir von Birsfelden wurde bereits vor über 120 Jahren erbaut und hat schon viele Veränderungen durchlebt. Es wurde vergrössert, saniert und nach den Regeln der Baukunst unterhalten. Trotz all dieser Mass- nahmen kann nun aber das Ende der Lebensdauer des historischen Reservoirs nicht weiter hinausge- zögert werden. Untersuchungen auf Dichtheit und Kernbohrun- gen im Mauerwerk haben aufge- zeigt, dass das Reservoir zu viele Schwachstellen aufweist. Damit wird es Zeit, die Planung für ein neues Reservoir, das dem aktuellen Stand der Technik entspricht, an- zugehen und zeitnah umzusetzen. Denn ganz wichtig: Oberstes Ziel der Trinkwasserversorgung ist die Bereitstellung von genügend Trink- und Brauchwasser in guter Quali- tät. Das kann mittelfristig nur mit einem neuen Trinkwasserreservoir gewährleistet werden. Aufgrund der Erkenntnisse zum Zustand des Reservoirs wurden mögliche Varianten für einen Neu- bau erarbeitet und mit komplexen Abklärungen sowie Berechnungen validiert. Inzwischen liegen fun- dierte Fakten vor, um der Bevöl- kerung ein konkretes, machbares Projekt vorzustellen. Durch dieses kann die Trinkwasserversorgung nachhaltig gesichert und deren Qua- lität gestärkt werden. An der Ge- meindeversammlung vom 27. Sep- tember 2021 wird der Gemeinderat das Projekt für den Neubau eines Reservoirs am bestehenden Ort, in der Rütihard, präsentieren und der stimmberechtigten Bevölkerung zum Beschluss vorlegen. Gerne ermöglichen wir Ihnen an dieser Stelle bereits einen ers- ten Einblick in die Planung und zeigen Ihnen die Beweggründe für die Abklärung der verschiedenen Varianten auf. Die verschiedenen Überlegungen und Projektschritte werden dabei von der Bedürfnis- formulierung bis hin zum Neubau erklärt.

Blick in den Rohrkeller des heutigen Reservoirs.

Foto Patrick Hürlimann

Oberstes Ziel des Projekts ist die Gewährleistung der Wasser- qualität im gesamten Versorgungs- gebiet. Dies wird unter anderem durch die Optimierung des Volu- mens erreicht. Denn das Volumen hat – zusammen mit dem Verbrauch – den wesentlichsten Einfluss auf die notwendige Wassererneuerung resp. eine optimale Verweilzeit im Reservoir. Für die Berechnung des Verbrauchs sind einerseits das heutige sowie auch das zukünftige Siedlungsgebiet zu beachten. An- dererseits muss die zukünftige Be- darfsentwicklung im Versorgungs- gebiet modelliert werden. Das Vorprojekt ist eine wichtige und wegweisende Phase im gesam- ten Projektierungsablauf. Bevor ein konkretes Bauprojekt ausge­ arbeitet werden kann, sollten vor- ab die Bauvorschriften sowie An- gaben über Altlasten, Naturschutz etc. eingeholt und die Bestands- aufnahmen (Geländevermessung, Erschliessung mit Werkleitungen) durchgeführt resp. erhoben wer- den. In dieser Phase wird von einer Kostenschätzung mit einer Genau- igkeit von ± 20%ausgegangen. Zur Erlangung dieser Angaben werden Vordimensionierungen erstellt, Varianten ausgearbeitet und Richt­

offerten für kostensensible Bauteile und -phasen (Aushub, Baugruben- sicherung, Steuerung) eingeholt. Als Ergebnis des Vorprojekts lagen nebst ersten Zahlen auch weitere Fakten und mögliche Varianten vor. Diese Möglichkeiten wurden hinsichtlich verschiedener Krite- rien wie beispielsweise Bau-, Be- triebs- und Unterhaltskosten sowie auch Betriebsstabilität und Risiko bewertet. Die beste Variante wurde anschliessend in einem Bauprojekt weiter verfeinert, sodass nun ein Projekt mit einer Kostengenauig- keit von ± 10% vorliegt. Im Rahmen des Vorprojekts zeigte sich, dass ein vollständiger Neubau des Reservoirs die bes- te Variante ist. Sie lässt sich wie folgt zusammenfassen: In der ers- ten Bauphase werden die beiden älteren Kammern abgerissen. Die dritte Kammer bleibt weiterhin in Betrieb. Damit ist das Funktionie- ren der Wasserversorgung über die ganze Projektdauer gewährleistet. Das neue Reservoir wird in Form von zwei gleich grossen Kammern neu aufgebaut. Das vereinfacht – ge- genüber einem Reservoir mit einer grossen Kammer – unter anderem die Reinigung sowie die Instand­ setzungsarbeiten. Sobald die beiden

neuen Kammern fertiggestellt sind, werden sie gereinigt und mit Wasser gefüllt. Nach der Freigabe der Re- servoiranlage durch das kantonale Labor wird die Versorgungsleitung umgehängt. Ab diesem Zeitpunkt wird Birsfelden ausschliesslich mit Wasser aus dem neuen Trinkwas- serreservoir versorgt. Nun kann die letzte Kammer zurückgebaut werden. Das Bauvorhaben kann – nach Genehmigung des Investitions­ kredits von CHF 6,99 Mio. durch die Gemeindeversammlung – etwa abMitte 2022 gestartet werden. Es dauert insgesamt rund zwei Jahre. Das Projekt wird ökologisch beglei- tet und umfasst eine umfangreiche Wiederaufforstung sowie einen anschliessenden Pflegeplan über mehrere Jahre. Der Neubau eines Trinkwas- serreservoirs ist ein grosses Gene- rationen-Projekt. Die Kosten von CHF 6,99 Mio. sind unter diesem Aspekt zu betrachten. Zudem muss berücksichtigt werden, dass damit die Grundlage für die sichere Ver- sorgung der Birsfelder Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser gelegt wird. Die Wasserversorgung wird als sogenannte Spezialfinanzierung

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