BA_KW36_2021

5

Birsfelder Anzeiger

Freitag, 10. September 2021 – Nr. 36

Gym Chor feiert seine

Konzert

Kolumne Verschlimm­ bessert

Rückkehr auf die Bühne Nach fast zweijähriger Zwangspause boten

Nun ist sie also fertig saniert, unsere Friedhofstrasse. Der Deckbelag ist gemacht und die noch fehlenden Randsteine sind eingesetzt. Aber wie hat man nur diese Randsteine platziert? Anstatt dass diese in direkter Linie der Strasse gemäss einge- setzt wurden, hat man Ausbuch- tungen erstellt, die Randsteine drum herum angeordnet und damit künstliche und unfall- trächtige Verengungen des Stras- senverlaufs geschaffen. Als ob die Friedhofstrasse mit ihrem Duchgangsverkehr auch für schwere und breite Motorfahr- zeuge nicht schon schmal genug wäre!

der Bühne ein. Es zelebrierte mit Arthur Honeggers «Pastorale d’été» ein schwelgerisches Somme- rerwachen mit effektvoll gesetzten dynamischen Wechseln. Bei «Da unten im Tale» von Johannes Brahms überraschte der Chor mit seinem Gesang im Rücken des Publikums. Gänzlich instrumental gehalten war Rolf Liebermanns «Suite über 6 schweizerische Volks- lieder», worin der Komponist die volkstümlichen Weisen in eine symphonische Form brachte. Dies verhalf den Liedern zu mehr klang- lichem Volumen, ohne sie ihrer authentischen Lüpfigkeit zu be­ rauben. Messe aus Argentinien Die als Höhepunkt aufgebaute «Misatango» (Tangomesse) von Martín Palmeri wurde als Gemein- schaftsdarbietung mit allerhand Soli gestaltet. Die aufgeführten Gottesdienstkompositionen offen- barten einen «latein-amerikani- schen» Einschlag im wörtlichsten Sinn: mit lateinischem Text und Latino-Musik. Es gab ein bis zum Stampfen rhythmisch akzentuier- tes Kyrie, ein jubelnd begonnenes Gloria, das in ein ergreifendes Duett des Sologesangs von Josephine Odermatt mit dem Akkordeon von Tenzin Muster mündete, sowie ein Credo, das sowohl mit einem glo- ckenhellen Sopransolo von Noemi Messingschlager aufwartete wie auch feine Einsätze der vier Solis- tinnen Saskia Clauwaert, Jana Hug, Jasmin Inauen und Berivan Peker entlang der Seitenbalkone erforderte. Das Kammerorches- ter wurde für die «Misatango» zu- sätzlich durch Leyla Huber und Enrico Nitihardjo am Klavier ver- stärkt. Der stürmische Applaus des be- geisterten Publikums rief nach ei- ner Zugabe, die in Form einer kur- zen Reprise aus der «Misatango» gegeben wurde. Es ist kaum fehlin- terpretiert, den Beifall als Dankes- bekundung für einen wohltuenden musikalischen Abend voller stilis- tischer Abwechslung und sprach- licher Vielfalt zu bezeichnen. Den einzelnen Teilen war eines immer gemeinsam: ein hohes Mass an künstlerischer Virtuosität. Es ist gut zu wissen, dass die musische Kultur am Gymnasium Muttenz wieder in jenem vollen Umfang ge- pflegt werden darf, der ein solch exzellentes Niveau überhaupt erst ermöglicht.

der Chor und das Junge Kammerorchester ein umso reicheres Programm.

Von Reto Wehrli

Während Monaten waren sie ge- sanglich zum Schweigen verurteilt: die Chöre unseres Landes. Die ers- ten beiden Wellen der Pandemie brachten sämtliche Gesangsgrup- pen kollektiv zum Verstummen. Für den Chor des Gymnasiums Muttenz, der seinen letzten Kon- zertauftritt im Herbst 2019 wahr- genommen hatte, bedeutete dies eine fast zweijährige Bühnenpause. Am Mittwoch, 25. August, durfte nun die Rückkehr in den Konzert- saal gefeiert werden – und um den Anlass gebührend zu würdigen, war es der für seine Akustik ge- rühmte Saal des Stadtcasinos Basel. Hier gab es ein Wiedersehen und vor allem ‑hören mit drei Formati- onen: Dem grossen Gym Chor un- ter der Leitung von Christoph Huldi, dem sämtliche Schülerinnen und Schüler mit Schwerpunkt Mu- sik angehören; dem von Jürg Sieg- rist geleiteten Gym Kammerchor, dessen Auswahlbesetzung beson- ders anspruchsvolle Werke singt; dem Jungen Kammerorchester Baselland unter der Leitung von Christina de Noronha. Gesang und Bewegung Der Gym Chor au grand complet eröffnete die Darbietungen mit dem harmonischen Klangerlebnis von Yolán Trabskys «Come with Me, My Love», einem hin und her wogenden Kanon, der unter Einbe- zug der Seitenbalkone aus drei Richtungen erschallte. «Open Up My Heart» von Tore Aas brachte vor allem in der Einleitung die bei- den Solistinnen Josephine Odermatt und Tabea Sterchi zur Geltung, de- ren Stimmen wunderbar durch die Weite des Saals klangen. Im Programmblock des Kam- merchors sorgte gleich das erste Stück, «La Youtse» von Joseph Bo- vet, für einen Gänsehautmoment. Das hell und klar gesungene Grey- erzer Volkslied ist ein Werk, von dem man gar nicht genug bekom- men kann. «Hi-la-ï ri-ri-ri la-ï!» Auf klassischer Vielstimmigkeit aufgebaut war die «Motette Op. 69 Nr. 1» von Felix Mendelssohn, fein

Gesungen wurde auch von den Balkonen.

Von Heinz Tschudin*

Foto Daniel Nussbaumer

abgestimmt zwischen den ver- schiedenen Registern, wobei sich die Sopranistinnen ein besonderes Kompliment verdienten. «Shall I Compare Thee to a Summer’s Day», eine Shakespeare-Vertonung von Nils Lindberg zu Klavierbeglei- tung, und das in choreografierter Bewegung gesungene «Chanson en canon (Le petit village)» von Frank Martin beschlossen den Konzert- teil des Kammerchors. Der Gesamtchor nahm zu «Six- teen Tons» von Merle Travis das Bewegungselement gleich wieder auf – schnippend und mit unver- minderter stimmlicher Präsenz führten die Darbietenden die Choreografien ihrer Kolleginnen Alexia Brugger, Natalia Kujawa und Gisele Plavsic aus. Dieselben drei schülerischen Choreografin- nen liessen im übernächsten Pro- grammpunkt, Svend Asmussens «Scandinavian Shuffle», die Mit- wirkenden in einer schwungvollen Performance wippen und Beinar- beit leisten. Dazwischen brachte «You Are the New Day» von John David das gesamte Klangvolumen des fast 80-köpfigen Chors zur Geltung. Ein sachter Einstieg mit allen Stimmen bereitete in Billy Jo- els «And So It Goes» den Weg für einen kernigen Soloeinsatz von Lenard Fasnacht. In der Musical- Stimmung von Irving Berlins «Puttin’ On the Ritz» endete die erste Hälfte des Programms, genre- gerecht dargeboten mit Ansätzen zu tänzerischen Einlagen, für deren Choreografie Josephine Odermatt und Tabea Sterchi besorgt waren. In der Pause nahm das Junge Kammerorchester seine Plätze auf

Man hat die Gelegenheit auch dazu benützt, in der Strassen- mitte zusätzliche, künstliche In- seln zu schaffen, vermutlich um den Verkehr zu «beruhigen». Mit dem Integrieren in die 30er- Zone ist der Verkehr doch schon beruhigt genug. Oder nicht? Wahrscheinlich wollte man allgemein den Verkehr verlang- samen, um ihn sicherer zu ma- chen. Nach meinen Beobachtun- gen ist der Verkehr durch die Ausbuchtungen und die teils recht breiten Inseli gerade für Zweiradfahrer jedoch erheblich gefährlicher geworden. Velofah- rende werden durch von den In- seli überraschte Autofahrende beim Ausweichen an den Rand- stein gedrängt und können oft nur ganz knapp einer Streifkol- lision entgehen. Damit hat man genau das Ge- genteil dessen erreicht, was man wollte. Die neue Friedhofstrasse ist um vieles gefährlicher gewor- den. Dazu kommt, dass die Friedhofstrasse auch noch von einer Buslinie befahren wird, de- ren Fahrzeuge 2,5 Meter breit sind und die nur knapp zwischen den Inseli durchkommen. Und wo sind die viel wichti- geren Fussgängerstreifen geblie- ben? *kann es nicht verstehen

www.birsfelderanzeiger.ch

Made with FlippingBook Digital Proposal Creator